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Kein „Aschenputtel“-Märchen

  • geschrieben von  Mag. Max Pürcher
Zum Gedenken an das 200. Jubiläum des ersten Treffens von Johann und Anna wird das, von Peter Grill verfasste Stück „Gnade, mein Prinz, Gnade!“ heuer am 3. August nach zehnjähriger Pause wiederum vor der Naturkulisse der Gössler Wand aufgeführt. Zum Gedenken an das 200. Jubiläum des ersten Treffens von Johann und Anna wird das, von Peter Grill verfasste Stück „Gnade, mein Prinz, Gnade!“ heuer am 3. August nach zehnjähriger Pause wiederum vor der Naturkulisse der Gössler Wand aufgeführt.

200 Jahrjubiläum des erstenTreffens von Anna Plochl & Erzherzog Johann: Jedes Kind, das im Ausseerland aufwächst und jeder Gast, der in dieser Region Urlaub macht wird zwangsläufig mit der oft beschriebenen Liebesgeschichte des Habsburger Erzherzogs Johann mit der Ausseer Bürgertochter Anna Plochl konfrontiert. Meist wird aber vergessen, dass diese Geschichte keineswegs ein „Aschenputtel“-Märchen ist, sondern eine Beziehung zweier Menschen, die in ihrer Zuneigung den Konventionen ihrer Zeit trotzten. Hier soll die Person des Erzherzogs, abseits der romantisierten Idylle des Traumprinzen, kurz dargelegt werden.

Johann wurde am 20. Januar 1782 in Florenz als 13. Kind des damaligen Großherzogs von Toskana Pietro Leopoldo, dem späteren Kaiser Leopold II. von Österreich und Maria Ludovica von Spanien in Florenz geboren. Die erste Sprache, die Johann lernte, war das Italienische; erst in späterer Folge eignete er sich Deutsch an. Von Beginn an war er für eine Militärlaufbahn vorgesehen und wurde bereits im Alter von 13 im Jahr 1795 mit dem Befehl eines Regiments betraut und zum Generalmajor ernannt. Seine Karriere wurde stark vom Konflikt Österreichs mit dem selbsternannten „Kaiser der Franzosen“ Napoleon Bonaparte geprägt.

1804 ernannte sich der Bruder Johanns, Franz II., zusätzlich zum Kaisertitel des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“, zum „Kaiser von Österreich“. Dies tat er, um sich in der konflikt­reichen Zeit der napoleonischen Kriege zumindest die Habsburgischen Stammlande für den Fall zu sichern, dass sich die deutschen Fürstentümer auf die Seite der übermächtigen Franzosen schlügen. Bis zum Zeitpunkt der Niederlegung der deutschen Reichskrone zwei Jahre später 1806 war somit Kaiser Franz der einzige Doppelkaiser der Weltgeschichte.

Nachdem 1805 Tirol, an die mit Frankreich verbündeten Bayern, abgetreten werden musste, organisierte Johann gemeinsam mit Joseph von Hormayr und Andreas Hofer den Tiroler Volksaufstand, der jedoch nach einigen Schlachten niedergeschlagen wurde und in der Erschießung Andreas Hofers 1809 in Mantua mündete.
1813 wurde es Johann nach erneuten (geheimen) Versuchen Tirol wiederzuerlangen von seinem Bruder, der sich in der Zwischenzeit wohl oder übel mit dem französischen Kaiser ausgesöhnt hatte, verboten Tirol je wieder zu betreten. Somit blieb ihm nichts anderes übrig, als sich einen neuen Wirkungsbereich zu suchen. Vorerst war dies die Festung Thernberg bei Seebenstein in Nieder­österreich, wo er bereits den Grundstein für seine spätere Sammlung des Joanneums in Graz legte.

Schon 1807 kam Johann zum ersten Mal in die Steiermark, die besonders ab 1811 sein Lebensmittelpunkt sein sollte. Zu seinen oftmals zitierten Leistungen und Gründungen, die Johann der Steier­mark angedeihen ließ, seien hier nur einige genannt: Steiermärkische Landesbibliothek (1811), Steiermärkisches Landesarchiv (1817), Steiermärkische Sparkasse (1825), Wechselseitige Brandschadenversicherungsanstalt (1828) (heute: Grazer Wechselseitige), Berg- und Hüttenmännische Lehranstalt in Vordernberg (1840) (ab 1849 Montanuniversität Leoben), Historischer Verein für Steiermark (1850).

Zu einem für die Gegend des Steirischen Salzkammergutes wichtigen Treffen kam es 1810, als Johann eine steiermarkweite Exkursion durchführte und am 25. August des Jahres den Mühlreither Bauern Paul Adler vulgo Christoph traf. Dieser hatte bereits einige Erfahrung mit der Kultivierung moderner Feldfrüchte, wie der Kartoffel, gesammelt. Adler hinterließ bei Johann tiefe Eindrücke und als 1819 die Steirische Landwirtschaftsgesellschaft gegründet wurde, wurde Paul Adler als Ausschussmitglied für die Filiale Gröbming ein­berufen. Eine durch zahlreiche Briefwechsel belegte innige Freundschaft zwischen dem Erzherzog und dem einfachen Bauern in Kainisch, hielt bis zum Tode Paul Adlers 1843 an.

Als sich Johann und Anna das erste Mal trafen, war der Erzherzog bereits 37, Anna erst 15 Jahre alt. An dieses Treffen erinnert ein Gedenkstein am Ufer des Toplitzsees, welcher das Datum „19. July 1819“ trägt. Trotzdem Johann natürlich einer der gefragtesten Junggesellen des Kaiserhauses war und ihm jede Möglichkeit nach einer adäquaten Verbindung zu den führenden Häusern Europas offenstand, wollte er sich nicht dem Diktat seines Bruders beugen und eine dynastische Beziehung im Interesse der Staatsräson eingehen. Man kann aus seinen Aufzeichnungen sogar entnehmen, dass er eine große Abscheu gegen das höfische Leben und die Intrigen am Kaiserhof hatte. Hinzu kam noch, dass der Staatskanzler und von Johann so genannte „Möchtegern-König“ und sein Intimfeind Fürst Wenzel von Metternich seinen kaiserlichen Bruder dazu anregte, die Beziehung mit der bürgerlichen Anna nicht gutzuheißen.

Erst mit dem Erwerb des Brandhofes in Mariazell und der Übersiedelung Annas in die ihr unbekannte Umgebung im Jahr 1823 konnten die beiden eine ehe­ähnliche Beziehung führen. Während der Erzherzog vielfach auf Reisen war, kümmerte sich Anna um den Haushalt und die Wirtschaft des Vorzeigegutes. Trotzdem der dynastische Druck auf Johann eine ihm ebenbürtige Adelige zu heiraten zunahm, entschieden sich beide bewusst für die gemeinsame Zukunft. Zum anderen war es natürlich auch für Anna gefährlich, sich auf die Romanze mit dem Hochwohlgeborenen einzulassen. Wenn man sich die Effizienz der heutigen Ausseer „Buschtrommeln“ vor Augen führt, kann man annehmen, dass es vor 200 Jahren nicht anders war. Der gute Ruf der Bürgertochter stand auf dem Spiel und damit auch jener ihrer Familie. Dass die aus relativ einfachem Hause stammende junge Frau dieser Last nicht nachgab, verdeutlicht eindrücklich, dass sie ob ihrer Jugend eine selbstbewusste und ziel-strebige Person war. Ebenso war auch die Beharrlichkeit Johanns bewundernswert, wenn man bedenkt, dass er aus Liebe zu einer im wahrsten Sinne des Wortes nicht ebenbürtigen Frau auf die Thronfolge und den erblichen kaiserlichen Titel verzichtete. Doch die Vehemenz beider zahlte sich aus. Ihr einziger Sohn Franz begründete das Geschlecht der Grafen von Meran, welches heute hunderte Nachkommen zählt.

1848, nach der deutschen Revolution ereilte Johann ein besonderer Ruf nach Frankfurt: Die soeben eingerichtete Nationalversammlung – das erste gesamtdeutsche Parlament – wählte ihn in seiner Abwesenheit zu ihrem Vorsitzenden. Das Amt dieses „Reichsverwesers“ war von der Nationalversammlung als Übergangsamt installiert worden, da man wieder einen deutschen Kaiser einsetzen wollte, dessen Stellung ja seit der Niederlegung Franz‘ 1804 vakant war. Sein letztes Amt, welches Johann ausübte, war jenes des Bürgermeisters von Stainz ab 1850, was insofern bemerkenswert ist, als Johann als einziger Vertreter des Hauses Habsburg zu einem Bürgermeister eines Ortes gewählt wurde.

1859 starb der steirische Prinz, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, in seinem Palais Meran in Graz und wurde dort auch bestattet. Erst 1869 wurde sein Leichnam nach Schenna bei Meran überführt, wo er neben seiner Gattin Anna heute begraben liegt. M.P.

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