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Auf historischem Boden

Wo heute auf historischem Bergbaugebiet große Fichten und Tannen stehen, bewirtschafteten die Vorfahren von Franz Hütter bis 1956 fruchtbare Bergwiesen. Im Gegensatz zu den Waldflächen waren sie von der Enteignung verschont geblieben. Wo heute auf historischem Bergbaugebiet große Fichten und Tannen stehen, bewirtschafteten die Vorfahren von Franz Hütter bis 1956 fruchtbare Bergwiesen. Im Gegensatz zu den Waldflächen waren sie von der Enteignung verschont geblieben.

Es ist unbestritten, dass die erste urkundliche Erwähnung von Altaussee eine Schenkungs­urkunde aus dem Jahr 1147 ist. Dass das Schenkungsobjekt jedoch nicht wie angenommen der „Ahornberg" als Ursprung des Salzabbaues sein kann, belegen Recherchen verschiedener Historiker. Der ehemalige Salinenangestellte Franz Hütter aus Altaussee bezeichnet das Gelände um sein Waldgrundstück im Sandlinggebiet nicht ganz zu Unrecht als den „Ursprung des Wohlstandes im Ausseerland".

Während Franz Hütter seinen Eigentumswald am „Fuxnberig" von unterwüchsigen und dürren Bäumen „säubert", schweifen seine Gedanken weit ab in längst vergangene Zeiten. Dort wo heute zwischen hohen Bäumen seine aufgelassene Heuhütte steht, sind früher bunte Blumen und Gräser gewachsen, welche die Rinder und Schafe der Ahnen nährten. Als die fruchtbaren Bergwiesen ab Mitte des vorigen Jahrhunderts nicht mehr bewirtschaftet wurden, verwandelte sich das saftige Grünland allmählich in Waldgebiet. Franz Hütter erinnert sich noch genau, wie ihn als kleiner Bub eine Bekannte der Familie auf die zentimeter­hohen Fichtenbäumchen aufmerksam gemacht hat: „Franzi steig die Bäumerln nit um, dass sind die deiner Enkelkinder...!". Zwischen diesen, heute hochgewachsenen Bäumen befinden sich Geländemulden, so genannte „Pingen" von eingesunkenen Stollen, als Spuren frühmittelalterlicher Bergbautätigkeit.


Franz Hütter erinnert sich nicht ungern an die langen Erläuterungen des Heimat­forschers Franz Stadler über den Ursprung des Salzwesens im Ausseerland. Nicht selten hat ihn dieser im Sekretariat beim Salzbergbau Altaussee besucht. Intensive Erklärungen über seine Forschungen rund um den historischen Salzabbau und mahnende Worte über den Umgang mit der Geschichte waren jedes Mal das Thema: „Du, dås woast eh, östlich vom Dietrichkogel is der Ursprung von insan Berig!". Eindringlich wies er bei jedem seiner Besuche darauf hin. Damals war es Franz Hütter eher peinlich gewesen, dass er durch die Aufklärungsversuche von Franz Stadler von seiner Arbeit abgehalten wurde. „Was hat er dir denn heute wieder aufgetischt?", pflegte der Betriebsleiter Hofrat Wimmer zu sticheln, nachdem Franz Stadler das „Feld geräumt" hatte. Heute, drei Jahrzehnte später erkennt Franz Hütter den Wert der damaligen „Brachter". Der Ausspruch Stadlers fußt in der Tatsache, dass es bereits eine Salzproduktion „im Bereich des Vorberges östlich vom Dietrichkogel" gab, lange bevor der steier­märkische Marktgraf Otakar III. dem Zisterzienserstift Rein im Jahr 1147 „zwei Sudwerke bei Ahorn" schenkte (duas salis patellas in Enstal apud Mahorn). Heute noch sind Halden und Pingen von sechs Stollen eines historischen Bergbaues vorhanden, der schon im 16. Jahrhundert als „verlassen" bezeichnet wird. Das Wort „Ahorn" (Mahorn) bezieht sich nach langjährigen Ermittlungen Stadlers auf das Gemeindegebiet von Altaussee. Stift Rein hat mehr als 60 Jahre lang eine Saline zu „Ahorn" genutzt. Erst als diese erschöft war, hat es einen neuen Stollen (am Ahornberg) anlegen lassen, wobei man auf eine reiche Salzader stieß. Auf Grund der in den Urkunden von 1147, 1189 und 1211 genannten Lagerbezeichnungen „Mahorn" bzw. „Ahorn" hat man den ersten Reiner Stollen lange am Ahornberg vermutet. Franz Stadler hat jedoch aufgezeigt, dass es bei genauer Kenntnis der örtlichen Verhältnisse, der Betriebsentwicklung und nach dem Wortlaut der Urkunde aus 1211 unmöglich erscheint, dass das Kloster von Anfang an den salzreichen Ahornberg erschlossen und genutzt hat. Die erste Erwähnung eines Stollens und die Nachricht von der Erschöpfung der ursprünglichen Lagerstätte in der herzöglichen Urkunde von 1211 passen viel besser auf dem salzarmen Vorberg östlich vom Dietrichkogel, wo sechs Stollen ausgehoben wurden, deren Halden und Pingen noch heute deutlich erkennbar sind. Eine leichte Gänsehaut überkommt Franz Hütter, wenn er darüber nachdenkt, in welch historischem Gebiet er da seinen Wald säubert. Hier auf seinem Grundstück soll der Salzbergbau Altaussee seinen Ursprung haben - nicht wie angenommen am Ahornberg? Hier soll die Geschichte und der Wohlstand des Ausseerlandes begonnen haben?


Im Verlauf des 13. Jahrhunderts waren die Sudpfannen auf Grund des akuten Holzmangels zuerst nach Lupitsch, dann an die Traunflüsse im heutigen Bad Aussee verlegt worden. 1295 wurde Aussee das Marktrecht zugesprochen - von da an entwickelte sich in der Region ein Jahrhunderte lang anhaltender Wohlstand.
Eine gewisse Demut regt sich bei Franz Hütter; ausgerechnet bei seinem Grundstück am „Fuxnberig" scheint sich der geschichtliche Kreis des Salzabbaues zu schließen. Eine neue Zufahrtsstraße Richtung Salzberg und Loser, unter anderem für den Rücktransport von Abraum­material aus der Saline Ebensee, soll in absehbarer Zeit vom Pötschen kommend östlich des Dietrichkogels vorbeiführen, vorbei an den historischen Stollenpingen und Halden, wo vor mehr als 900 Jahren der Ursprung des Salzabbaues seine Anfänge genommen hat und damit wohl auch der Wohlstand im Ausseerland... J.K.

 

Quellen: Franz Stadler „Salzerzeugung, Salinenorte und Salztransport in der Steiermark vom Frühmittelalter bis heute".
Otto Volk „Salzproduktion und Salzhandel Mittelalterlicher Zisterzienserklöster".
J.Ottokar Freiherr von Buschmann „Das Salz - Band I".
J.Zahn „Urkundenbuch des Herzogthums Steiermark".
„Leo Pronners Beschreibung des Ausseer Salzwesens (1595)", ediert und kommentiert von Franz Patocka und Franz Stadler.

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