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Wandern auf der Alm

  • geschrieben von  Dr. Walter Kreissl, Kreissl & Pichler & Walther Rechtsanwälte GmbH
Almwanderer und Weidevieh - Konfliktpotenzial? Almwanderer und Weidevieh - Konfliktpotenzial? Foto: ©Woadsåck / J. Khälß

Das Tiroler „Kuh-Urteil“ hat viel Aufmerksamkeit erregt und für erhebliche Unsicherheit bei Almbauern, Tourismusvertretern aber auch Wanderern selbst gesorgt. Bekanntlich wurde auf einer Alm in Tirol eine Urlauberin, die mit ihrem Hund unterwegs war, von Kühen zu Tode getrampelt. Im Februar 2019 ist ein Urteil des Landesgerichts Innsbruck ergangen, wonach der Almbauer dem Witwer und dem Sohn der Verstorbenen rund EUR 180.000,00 und eine monatliche Rente (Unterhaltsentgang) bezahlen muss, da er seine Kühe entlang des Weges nicht eingezäunt hatte.

Seither wurde in zahlreichen Veranstaltungen darüber diskutiert, welche Maßnahmen zu treffen sind, um einerseits derartige Vorfälle zu vermeiden und andererseits mögliche immense Schadenersatzpflichten von den Almbauern abzuwenden. Gebietsweise ist es schon zur Sperre von Wanderwegen und Almen gekommen. 

Jedenfalls muss berücksichtigt werden, dass die vieldiskutierte Entscheidung noch kein rechtskräftiges Urteil der Österreichischen Justiz darstellt. Gegen das Urteil wurde vom betreffenden Almbauern berufen – über diese Berufung wurde noch nicht entschieden. In juristischen Fachkreisen wurde bislang aber bereits heftig darüber diskutiert, ob die bestehende Rechtslage, wonach derjenige für ein Tier, das jemand verletzt oder tötet, dann haftet, wenn er dieses Tier „vernachlässigt verwahrt“ hat, geändert werden muss. Überwiegend wird dazu die Meinung vertreten, dass die gesetzliche Regelung einschließlich der bislang ergangenen vielfachen Rechtssprechung ausreichend ist und dass ein Sonderfall wie jener in Tirol einen völligen „Ausreißer“ darstellt. Umgekehrt wurde aber auch eine Anpassung der gesetzlichen Bestimmung betreffend die Tierhalterhaftung ernsthaft diskutiert und bleibt die diesbezügliche Entwicklung ebenso noch abzuwarten, wie die endgültige Entscheidung der Gerichte im Tiroler Anlassfall.

Derzeit kann Almbauern angeraten werden, die über die Almen führenden Wanderwege bei den jeweiligen Gattern mit entsprechenden Schildern („Begehen auf eigene Gefahr“, „Mitführen von Hunden verboten“) auszustatten und stark frequentierte Örtlichkeiten, wie etwa gut besuchte Almhütten, entsprechend abzuzäunen. Wanderer sind demgegenüber an ihre Eigenverantwortung zu erinnern und sollten unbedingt beachten, dass Hunde von Kühen, insbesondere Mutterkühen, als Gefahr für ihr Kalb empfunden werden.

Der Tiroler Anlassfall sollte – wie immer er letztlich endgültig entschieden wird – ein trauriger Einzelfall bleiben.

Herzlichst Dr. Walter Kreissl
KPW Rechtsanwalt GmbH
Bad Aussee und Liezen

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