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Jahrelang ausgelacht – heute beneidet!

Früher des Öfteren belächtelt, hat heute Dipl.-Ing. Franz Bergler, als Selbstversorger und Direktvermarkter von Lammfleisch und Kräuterprodukten, die Nase vorne.Früher des Öfteren belächtelt, hat heute Dipl.-Ing. Franz Bergler, als Selbstversorger und Direktvermarkter von Lammfleisch und Kräuterprodukten, die Nase vorne.

„Lass doch des – um des Geld, was du da investierst, kriagst im Konsum zehnmal so viel“, ich erinnere mich noch genau an die Worte meines Nachbarn, der schmunzelnd am Gartenzaun stand und in Wirklichkeit nur auf seine Flasche Bier wartete, die er von mir bekam, wann immer er mich besuchte.

Nur wenige verstanden mein Ansinnen, dass ich in meinem Garten gesunde Lebensmittel zur Selbstversorgung produzierte. Da wachsen auf, mit Kompost gedüngter Muttererde, ohne Einsatz von chemischen Mittel, die gesündesten Lebensmittel. Mein Garten ist für mich auch Lebens- und Erholungsraum. Nicht umsonst steht unter dem Kirschbaum, dem Herzstück meines Bauerngartens, ein Bankerl zum Sitzen und zum „Stad-Hobn“. Es gab und gibt einige Vordenker, die in den letzten Jahren auf Eigenversorgung umgestellt haben, sie sind alle „Spinner“, um einen wahrheitsgetreuen Begriff zu verwenden. Ein ganz kleiner Virus mit dem Namen Corona hat diese Aussage meines Nachbarn relativiert. Plötzlich fragt sich die Bevölkerung, was hat uns die Globalisierung gebracht? Hunderprozentige Anhängigkeit! 

Unsere Versorgung ist nicht gesichert, wir hängen am Tropf der Weltwirtschaft. Obwohl die politischen Vertreter unserer heimischen Landwirtschaft sagen, dass eine gute Eigenversorgung gegeben ist, stimmt das nur in wenigen Bereichen. Die Eigenversorgung ist nur bei Milch, Käse, Kartoffeln, beim Rind- und Schweinefleisch und Bier gegeben. Nicht einmal genug Äpfel (95 %), Wein (90 %) und Getreide (88 %) haben wir in Österreich! Den Rest müssen wir importieren, wobei 84 % des Lebensmittelhandels in den Händen von drei Lebensmittelketten liegen! Nur so viel zu der, immer verzerrt dargestellten, Vielfalt unseres Lebensmittelhandels.

Wie hoch die Chance ist mitreden zu dürfen, wenn es um eine Erhöhung der Preise für Agrarprodukte geht, überlasse ich dem Leser selbst. Wollen wir in der Landwirtschaft die Eigenversorgung wirklich anstreben, so müssen wieder Regeln, wie die bekannte Marktordnung mit Preisgarantien in der Landwirtschaft einkehren. Dazu braucht es aber gestandene Politiker, die diese Regeln national umsetzen und auch finanzieren und nebenbei auch in Brüssel durchbringen!

Plötzlich gibt es in den Medien Begriffe wie „Deglobalisierung“, „wirtschaftliches Nullwachstum“ und „Rezession“…, ich lese es und frage mich, was heißt das eigentlich? Wie weit kann das Rad zurückgedreht werden? In Wirklichkeit gar nicht, die größten Autokonzerne müssen zusperren, weil die Zulieferbetriebe nicht arbeiten. Goliath muss sich David beugen.

Als Direktvermarkter von Lammfleisch und Kräuterprodukten kann ich ein Lied davon singen, wie schwer es ist, gute heimische Produkte an den Mann/die Frau zu bringen. Andere Direktvermarkter erzählen mir, dass die Privatkunden leicht ansteigen, aber die Gastronomie fällt ganz aus, also der Direktvermarkter bleibt auch auf seinen Lebensmitteln sitzen. Leute, was muss noch passieren, dass ihr endlich beim Nachbarn einkauft? Ich kenne Personen, die sich das Brenn-Holz von einem Händler kaufen, wo das Holz aus Rumänien, Polen und Tschechien stammt, weil es billiger ist als das heimische. Wir leben im waldreichsten Land von Österreich (62 % Wald in der Steiermark) und es gibt nur noch wenige Kaufhölzler bei den ÖBF.

Das Holz wächst vor unserer Haustüre und wir sind zu bequem, selber in den Wald zu gehen. Damit würde die Wertschöpfung in der Region bleiben und es ist auch ein Beitrag zur Ökologie und zur eigenen Gesundheit. Die Luft im Wald ist hervorragend und das Baum-Pech hat desinfizierende Wirkung. Corona hat uns aufgezeigt, was wir wirklich brauchen: Ein Dach übern Kopf, etwas zum Essen und Anziehen und eine sinnvolle Beschäftigung, die uns zufrieden macht. Eine davon könnte die Gestaltung eines Hausgartens sein. Vielleicht geht der eine oder andere auch zum Nachbarbauern und spricht mit ihm, was er bei ihm haben kann. Vielleicht geht der andere in die freie Natur und schaut, was sie uns allen zu bieten hat. 

Ich wünsche euch viel Gesundheit und in Zukunft viel mehr Natur - sie hat jetzt tief eingeatmet, die Luft ist reiner geworden und der Mensch ruhiger…!  F.B.

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