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Unsere Almen: Zwischen Kampl und Rötelstein Empfehlung

Ein mystischer Platz am Kamplweg: der „Jesu Namen“. Ein mystischer Platz am Kamplweg: der „Jesu Namen“. Foto: ©Hermann Gattermaier

Der Kampl (1685 m) ist als „Hausberg der Hinterberger“ einer der schönsten Aussichtsberge der Region und sowohl von der Ausseer-, als auch von der Hinterberger Seite leicht erreichbar, von der Ausseer Seite über die Weißenbachalm durch den Eisengraben und Teltschenalm, von Kainisch aus über die Almen Tal und Seidenhof oder von Mitterndorf über die Singerhauserhütte und Hinterberger Teltschen. Die wunderbare Tagestour auf dem Kamplrundweg, kreiert und organisiert von der Obersdorfer Dorfgemeinschaft und vom Alpenverein, ist eine Empfehlung für alle Einheimischen und Gäste. Auf ihr passiert man alle wichtigen Almen in dieser Gegend. Auf der Langmoosalm steht man vor der Wahl den Kampl oder den Rötelstein zu besteigen, oder gar beide, wenn es die Kondition erlaubt. Auf beiden sind schönste Aussichten garantiert.

Ich persönlich bevorzuge die Auffahrt mit dem Rad über die Talalm auf die Seidenhofalm. Diese wurde mir mit der Elektrotechnik wesentlich erleichtert. So erreiche ich fast spielerisch die auf 1600 Metern Seehöhe liegende Alm, wo ich selbstverständlich das Rad abstelle. Der Aufstieg über den „Heiligen Namen“ oder „Jesu Namen“ auf den Kampl ist ja nicht mehr weit. Der etwas steilere direkte Abstieg zur Seidenhofalm rundet die herrliche Wanderung mit Gipfelgenuß ab. Etwas westlich des IHS-Kreuzes, auf dem Feuerkogel, gibt es eine Fundstelle von Amoniten und anderen Versteinerungen.

Auf der Seidenhof Alm ist mir die Einkehr beim Bunzbauern Emil und seiner Schwägerin Hilda noch in lebhafter Erinnerung. Dort gab es die besten Krapfen und der Schweinsbraten aus dem Holzofen war sowieso ein Gedicht – es war einmal; nicht nur für mich eine Legende.

Auf der Heimfahrt ist die Einkehr auf  der Lenzbauern Alm eine gute Empfehlung. Ein würdiger Abschluss des almerischen Ausflugs.

 

Jesu Namen am Kampl

Der alte Matl im Berg hat sich bei einem Almgang im Gebiet westlich des Kampl-Gipfels im starken Nebel nicht mehr zurecht gefunden, weder in die unweit gelegene Seidenhofalm noch in die Talalm konnte er gelangen. In seiner verzweifelten Lage nahm er Zuflucht zum lieben Gott, und schnitt in der Nähe des Feuerkogels in den Rasen den Süßen Namen Jesu „IHS“ ein. Bald darauf fand er glücklich den Heimweg. Der Name war noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zu sehen, mittlerweile wurde dort ein Kreuz errichtet und jährlich findet dort eine Bergmesse statt - heuer am 20. September um 14 Uhr. 

Quelle: Wegbeschreibung auf www.ausseerland.at.

 

Zu den Almen:

In dieser Ausgabe des Woadsack will ich mich mit der Langmoos-, der Seidenhof- und Talalm näher befassen. Die anderen Almleute mögen sich bitte mit ihrer oben stehenden Erwähnung begnügen. Bei den Almherren Herwig Brechtler vlg. Bunzbauer von Tal und Seidenhof und bei Werner Mayr vlg. Zond von Langmoos bedanke ich mich für ihre bereitwilligen Auskünfte.

 

Seidenhof- und Talalm

Sieben Bauern aus den Ortsteilen Kainisch, Pichl, Knoppen und Obersdorf treiben derzeit rund 70 Stück Rinder auf, Jungvieh und Ochsen sowie einige Hochlandrinder, zwei Bauern mit Mutterkuh-Haltung. Schafe gibt es auf der Alm keine mehr. Ursprünglich waren 13 Liegenschaften mit 120 Rindern weideberechtigt. Alle 13 Berechtigten halten noch Hütten aufrecht – allesamt „Hohe Hütten“ – sieben davon auf Seidenhof, sechs auf der Talalm.

Für diese beiden, sehr nah beieinander liegenden Hochalmen, mit nur wenigen Metern Höhenunterschied, gibt es nur eine Regulierungsurkunde, eine gemeinsame Betriebsnummer bei der AMA und daher auch nur einen Almherrn. Dieses Amt übt, seit dem Abtreten seines Vaters Emil, der Bunzbauern Herwig aus. Durch eine Aufgabenteilung unter den Berechtigten gibt es eine gut funktionierende Almgemeinschaft, die alljährlich eine Sitzung abhält, in der die Tätigkeiten geregelt, Termine abgesprochen und Abrechnungen getätigt werden. Als gemeinsamer Schwendtag gilt der „Schafltag“, der letzte Samstag im September. Wassersorgen gab es bisher noch keine, aber trockene Sommer häufen sich und für Notfälle sorgt ein gemeinsam errichteter Wasserbehälter. 

Zur Nachbaralm Langmoos gab es lange Zeit keine Weidetrennung, allerdings wird seit einigen Jahren beim Heiligen Namen abgezäunt, was das Suchen der Rinder erleichtert und der Unfallvermeidung dient. Früher kam es häufig zu Verlusten durch Abstürze.Mehr und mehr treten auf den Weide-flächen Schäden durch Wildschweine auf, die von der Kochalm über die Teltschen bis auf die Seidenhofalm gelangen. Das Aufkommen dieses Wildes in solchen Lagen ist äußerst bemerkenswert, die Jägerschaft ist aber um Schadensbegrenzung sehr bemüht. 

Trotz der oben beschriebenen, ausgezeichnet beschilderten und viel begangenen Wanderwege, gibt es mit den Bergtouristen keine Probleme. Ärger kommt allerdings auf, wenn es Mountainbiker nicht lassen können über die Alm zu fahren und sogar durch den Eisengraben auf die Weißenbachalm hinunter zu turnen. 

Dazu erlaube ich mir als ebenfalls „Gerne-Radler“ eine Bemerkung: Die Freizeitgesellschaft verliert zunehmend den Respekt gegenüber der Natur und betrachtet den Berg als Sportgerät. Es ist doch wirklich nicht notwendig, sich neben einem Gipfelkreuz mit erhobenem Mountainbike triumphierend fotografieren zu lassen und dieses Bild dann auch noch im Internet zu zeigen. Solches hat kürzlich dazu geführt, dass eine jahrelang offene Route – nämlich die herrliche „Sill-Elend-Runde“ oberhalb des Ödensees - vom Grundeigentümer für Radfahrer geschlossen wurde. – Aus! Zu! - Schade!

 

Die Langmoosalm

Der Zugang zur Langmoosalm von der Bushaltestelle auf dem Radling über den markierten Wanderweg Nr. 253 soll nicht unerwähnt bleiben. Dieser Weg ist der offizielle und urkundlich geregelte Triebweg für die Straßner Berechtigten, auf dem sechs  Rastbänke erwähnt sind. Für die Erhaltung derselben, für die Bedielung des Weges auf der Scheibnerhalt und für zwei Wassertröge, mit einer Rinne auf der Alm, besteht zusätzliches Holzbezugsrecht.

Die Alm weist eine Reinweide-fläche von 30 ha auf, die gesamte Almfläche beträgt rund 175 ha (306 Joch). Laut Regulierungsurkunde von 1861 sind 13 Liegenschaften der Ortsteile von Straßen und Kainisch weideberechtigt. Heute treiben noch vier Bauern rund 30 bis 35 Rinder auf. Sieben Hütten werden noch betreut und bewohnt, die älteste davon stammt aus dem Jahre 1778. Almherr ist Werner Mayr vlg. Zond, der das Amt im Jahre 2002 vom Hauser Herbert übernommen hat. Werners Ziel ist, den geregelten Alm-betrieb aufrecht zu erhalten und die gemeinsamen Tätigkeiten zu organisieren, was ihm bestens gelingt. 

Der Auftrieb erfolgt gemeinsam um den 21. Juni, das Heimfahren um den 16. September, wobei Auftrieb und Heimfahrt jeweils mit einem Almfest verbunden sind. Zäune werden Mitte Juni errichtet und gewartet. Der Schwendtag ist wie bei den Nachbarn der „Schaflsamstag“, wobei zu bemerken ist, dass auch auf der Langmoosalm keine Schafe mehr aufgetrieben werden. An den Schwendarbeiten beteiligen sich alle Berechtigten, auch jene, die nicht auftreiben. Zusätzliche Helfer herzlich willkommen. – Die Alm darf keinesfalls zuwachsen!

Langmoos - eine gut funktionierende Almgemeinschaft, bei der auch die Geselligkeit nicht zu kurz kommt! Die Pflege guter Nachbarschaft zur Seidenhofalm gehört selbstverständlich dazu.

Der Almsommer 2020 ist derzeit voll im Gange. Ich wünsche allen Beteiligten einen guten und unfallfreien Verlauf ohne Verluste – viele frohe Stunden und „G’sund bleim“! H.R.

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