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Willkommen im Leben Empfehlung

Marianne Pacher hält bei ihren Besuchen den vorgeschriebenen Sicherheitabstand strikt ein.Marianne Pacher hält bei ihren Besuchen den vorgeschriebenen Sicherheitabstand strikt ein.

Knapp 5.000 Menschenkindern hat Hebamme Marianne Pacher auf dem Weg ins Leben geholfen - das sind ungefähr so viele, wie in Bad Aussee Einwohner leben. Eine Hausgeburt in Altaussee wird sie wohl nicht mehr so schnell vergesssen.

Normalerweise nervt Marianne Pacher das windige, kalte Wetter oder gar Regen. Aber in Zeiten der Ausgangssperre ist sie froh, wenn die Sonne nicht zu oft scheint. „Dann hält man es drinnen leichter aus!“ Üblicherweise nutzt sie jede freie Minute draußen in der Natur, mit Nordic Walking, spazieren oder Wandern! Jetzt sitzt sie in ihrer Wohnung in Bad Ischl und beschäftigt sich mit lesen oder stricken. An manchen Tagen über­kommen sie Tagträume, wo sie in ihren Erinnerung schwelgt. 

Seit nunmehr 37 Jahren übt Marianne Pacher ihre Berufung als Hebamme aus. Sie wurde als eine von drei Bauerntöchter im Hausruckviertel geboren. Nach der HBLW arbeitete sie fünf Jahre lang als Ordinations­gehilfin eines praktischen Arztes in Haag am Hausruck, welcher das dortige Geburtshaus mitbetreute. Dabei freundete sie sich immer stärker mit dem Gedanken an, den Beruf einer Hebamme zu ergreifen. Sie absolvierte die Hebammenschule in Salzburg und erhielt sogleich eine Anstellung an den Salzburg Landeskliniken (SALK). Nach der Geburt ihres Sohnes Daniel zog sie mit ihrem Mann nach Wels, wo sie im Sanatorium Wels als Belegshebamme eine Anstellung fand. Gleichzeitig war sie als Hausgeburtshilfe im Geburtshaus ihrer Heimatgemeinde Haag am Hausruck tätig und auch bei Hausgeburten gab sie ihre Unterstützung. „Hausgeburten haben auf mich seit jeher einen ganz besonderen Reiz ausgeübt!“ 1996 nahm sie im Kranken­haus der Kreuzschwestern Wels die Stelle der leitenden Hebamme an, die sie bis zu ihrer Pensionierung ausübte. Obwohl Marianne Pacher seit 2014 in Pension ist, wird sie immer wieder zu Hausgeburten gerufen. Im November 2019 erreichte sie der Ruf von werdenden Eltern, welchen sie bereits 2018 bei der Hausgeburt ihrer ersten Tochter beigestanden ist. Sie möchten unbedingt zur Geburt vom zweiten Baby wieder ihre Hilfe beanspruchen.

Die junge Familie war mit ihrem mobilen Tinyhouse gerade von Schweden zurückgekehrt, wo sie einen Platz für ihr erträumtes, einfaches, gutes Leben gesucht und scheinbar auch gefunden hatten. In einem Dorf, wo nur noch die Alten übriggeblieben sind, haben sich nach und nach junge Menschen mit alternativer Lebensweise angesiedelt und das Dorf wieder zum Leben erweckt. Das schien ihnen der ideale Platz zu einem Leben ihrer Vorstellung zu sein.

Aber vorher war noch ein Winter in Österreich geplant. Die Energieautarktheit vom selbstgebauten Tinyhouse musste in der kalten Jahreszeit ausge­testet werden und die Geburt anfang März als Schlüsselereignis wollten sie noch abwarten - erst dann würde die Entscheidung fallen, wohin die Reise geht. 

Marianne Pacher hatte kein Problem damit, dass die Geburt in einem „Tinyhouses“ am Fußboden stattfinden sollte, es war ja mit einer Fußboden­heizung ausgestattet. Aber die Anfahrt im Winter von Bad Ischl über den Pötschenpass und die steile Zufahrtsstraße zum Tinyhouse bereitete ihr Kopfzerbrechen. „Man weiß ja nie genau, wann eine Geburt los geht- vielleicht nachts bei Schneesturm und das ohne Allrad?“ Aber in ihrer langjährigen Laufbahn hat sie es noch zu jeder Geburt rechtzeitig geschafft. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, den 27. Februar war es dann soweit: die schlimmsten Befürchtungen der Hebamme hatten sich bewahrheitet und der Winter zeigte noch einmal kräftig seine Zähne - ein heftiger Schneesturm tobte. Zum ersten Mal in ihrer Laufbahn schaffte es Marianne Pacher mit ihrem PKW nicht zum Geburtshaus. Aber alles ging gut: ein Audi Quattro brachte Marianne Pacher um ca. 23 Uhr über die verschneite Zufahrt hinauf und um halb fünf Uhr morgens gab im behaglich warmen Tinyhouse  „Lahja“ den ersten Schrei von sich von sich

Lahja ist in Altaussee die erste Hausgeburt seit zwölf Jahren. Und der Trend scheint sich fortzusetzen, weitere Hausgeburten kündigen sich an. Na dann: willkommen im Leben!!!

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