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Die Almen um den Loser

Blick vom Schwarzmoossattel auf die Bräuningalm. Nur wenige Wanderer „verirren“ sich in das Almgebiet der Breuning­alm, obwohl sie am Rande des Loser-Tourimusgebietes liegt.Blick vom Schwarzmoossattel auf die Bräuningalm. Nur wenige Wanderer „verirren“ sich in das Almgebiet der Breuning­alm, obwohl sie am Rande des Loser-Tourimusgebietes liegt.

Die Hochalmen der Altausseer weideberechtigten Bauern sind sehr schön um deren Hausberg, den Loser, angeordnet: Bräuning, Eglgrube, Augst und Gschwand. Etwas weiter entfernt, aber doch in Sichtweite nordwestlich, liegt die Schwarzenbergalm unterhalb des Schönberg. Dazwischen, diese aber längst aufgelassen und von der Natur zurückerobert, liegt die Schafbergalm.

In dieser Ausgabe des Woadsack will ich mich mit den vier „Loserern“ befassen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie eine gut funktionierende Almgemeinschaft pflegen und sowohl mit der Loserstraßengesellschaft als auch mit den Jagdberechtigten und deren Personal in gutem Einvernehmen stehen. So ist traditionelle Almwirtschaft nach den zeitgemäßen Gegebenheiten möglich und damit die Erhaltung der Almen als Kulturgut gewährleistet. Die Almleute und ihre Helfer stehen mit vollem Einsatz, Elan und Freude dahinter.

Die Tour um den Loser

Die Lesergemeinde ist eingeladen, diese Almen auf einer Wanderung – oder ist es gar schon eine Bergtour? – rund um den Loser zu besuchen und dabei näher kennenzulernen. Anmerkung: der Weg ist nicht markiert, teilweise nur ein Pfad, der oft schwer erkennbar ist. Es ist daher zu empfehlen die Tour nur mit ortskundiger Begleitung in Angriff zu nehmen. Ausgangspunkt dafür ist der Parkplatz der Loserstraße nach der Kehre 10 auf rund 1400 m Seehöhe. 

Zuerst gehen wir auf der Schiabfahrt hinunter zur Mittelstation der Sesselbahn und zur Stellerkogelhütte, dann auf dem Forstweg weiter zum „Hochletten“. Hier stoßen wir auf den markierten Loserweg (01, E4, Via alpina) der von der Blaa Alm kommt und welcher auch der gebräuchliche Viehtriebweg ist. Ab jetzt geht es unterhalb der Loserwände, zuerst über das Geröllfeld des „Lahngangs“ Richtung Norden zur Gschwand Alm. Bald nach dem Lahngang steht neben dem Weg ein Marterl in Ausführung eines Kreuzes, das an Anna Angerer vlg. Geiger erinnert, die hier am 14.März 1954 im 23. Lebensjahr auf einer Schitour verunglückte.

Nach einer guten Stunde Gehzeit oberhalb der Stöcklwände, sind die Hütten der Gschwandalm erreicht. Die Gschwand liegt etwas abseits und ist eine eher unbekannte Alm. Die Bauern betreiben aktiv sechs Hütten und freuen sich, hin und wieder ein paar Einheimischen zu begegnen, Hüttenbesuch inklusive. 

Die Gschwandalm, 

urkundlich Gschwandt, wird der Name heute amtlich und im gängigen Kartenmaterial Gschwand­alm geschrieben. Der Name kommt von Schwenden und sagt uns, dass diese Alm vor Jahrhunderten Waldgebiet war und durch Rodung zur Weidefläche, also zum Almgebiet wurde. 

Die Größe des Gebietes ist in der Urkunde mit insgesamt 309 Joch, also rund 180 Hektar angegeben, überwiegend Waldweide (die Reinweidefläche wird gegenwärtig mit ca. 15 Hektar angegeben). Dazu gehörte auch der tief unterhalb liegende Schoßboden, der heute aber nicht mehr genutzt wird. Dieser gehört jetzt dem Rotwild.

Almherr ist seit 1995 Franz Grieshofer vlg. Bichler. Er erzählt, dass die letzten Almdirnen, die in den 1950iger Jahren noch Milchwirtschaft betrieben haben, die Schraml Mariedl, Steinegger Tittl und Waldgraben Seraph waren. Das Milchvieh wurde auf der Alm gehalten, Jungvieh und Ochsen weideten „in der Schoß“ und im umliegenden Gebiet. Ursprünglich waren 13 Bauern mit 105 Rindern und 92 Schafen weideberechtigt, heute treiben noch vier Berechtigte etwa 30 Rinder auf, hauptsächlich Jungvieh, aber auch etliche Mutterkühe. Den „Viehgang“ besorgen die vier Auftreiber selber, jeder einmal die Woche, Notfälle werden gemeinsam bewältigt.

Früher waren neun Hütten in Betrieb, die restlichen Bauern hatten nur das Recht auf ein „Kühdach“ also nur auf einen Unterstand für das Vieh. Außerdem existiert auf der Alm ein geräumiges Jagdhaus.

Im außerordentlich schneereichen Winter 2009 kam es im Februar überraschend zu großen Lawinenschäden. zwei Hütten erlitten einen Totalschaden, andere wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Die beiden Ruinen wurden wieder aufgebaut, eine davon auf einem neuen, sicheren Bauplatz. Bemerkenswert ist, dass in den vorangegangenen Jahrhunderten von keinen derartigen Katastrophen berichtet wird. Lawinenereignisse sind unberechenbar und niemals vorhersehbar.

Der Weg um den Loser führt nun über moosiges Almgelände, später wird er immer felsiger und schlängelt sich schließlich durch Latschenfelder. Dieser Teil der Tour bietet herrliche Ausblicke in den westlichen Teil des Toten Gebirges, wie zum Schönberg, zu den Wild­kögeln und zum Grießkogel. Nach Um­rundung des Bräuningzinkens ist der Schwarzmoossattel erreicht und wir genießen den herrlichen Blick über die Bräuning­alm zum Dachstein.

 

Bräuningalm und Eglgrube

Die Bräuningalm wird in der Urkunde Präuning, sonst auch Breuning oder Preining geschrieben. Diese Namen leiten sich von keltisch, bzw.  indogermanisch, auch präeuropäisch „bryn, braigh, broin, breuni“ ab und bedeutet Felsen. Interessant ist auch die Bezeichnung Bräuninger Kun(n) – auch Kum – tal. Es ist ein keltisches Lehnwort „cumba, comm“ und bedeutet Tal, Loch, tiefer Boden, Delle, tiefe Mulde oder Trog. 

Die beiden Almen waren früher eigenständig, werden aber heute gemeinsam unter einer Betriebsnummer geführt und verwaltet. Almherr ist seit 2015 Bernhard Freller vlg. Steffler, der sich bescheiden nur „Almobmann“ nennt. Er ist sich seiner verantwortungsvollen Aufgabe bewusst, soweit sie die Verwaltung und die Förderungsangelegenheiten betreffen. Die Arbeiten auf der Alm geschehen je nach Erfordernis getrennt oder gemeinsam, immer in gegenseitiger Absprache. Das betrifft vor allem die Erhaltung der Zäune und die Sicher­ung der Dolinen, deren es zur Genüge gibt. Ein gemeinsamer Schwendtag wird angesagt und jährlich wird eine Almversammlung abgehalten. Die Bräuning­alm umfasst ca. 260 Hektar, davon sind rund 73 Hektar Reinweide. Urkundlich sind 13 Liegenschaften mit 88 Rindern und 86 Schafen zur Weide berechtigt, in der Eglgrube vier Bauern mit 31 Rindern und 20 Schafen. Aktuell treiben sechs Bauern 65 Rinder auf. Hier stehen zehn Hütten einschließlich der Halterhütte. In der Eglgrube sind drei Hütten in Betrieb. 

Für den beaufsichtigten Weidebetrieb wir ein Halter beschäftigt. Meistens sind es Studenten, gegenwärtig sind es Einheimische, früher waren es auch aus­wärtige Naturliebhaber. Interessant ist die Regelung der Schafweide. Früher gab es auf allen Almen mit Altausseebezug Weiderechte für Schafe. In den 1960iger Jahren wurde mit den Österreichischen Bundesforsten aus jagdlichen Gründen eine Vereinbarung getroffen, wonach alle Schafe der Altausseer Schafhalter auf die Almen Bräuning und Augst konzentriert werden. In den Glanzzeiten waren 370 Schafe auf der Weide, heute sind es an die 100 Stück. Obmann der zehn „Schafler“ ist Matthias Zahler. Die Schafe weiden außerhalb jener Bereiche, die für die Rinder erreichbar sind. Wenn man auf den Losergipfel geht, kann es daher passieren, dass man von einer Schafherde umringt wird. Die besondere Herausforderung für den Halter ist es, die Schafe und Rinder wenn nötig auseinander zu halten. Das „Weidemanagement“ mittels Koppeln ist dabei eine wertvolle Hilfe. Dazu wird das Weidevieh abwechselnd je nach Vegetation in bestimmte Bereiche gelenkt und dort für eine Weile durch einfache Zäune gehalten. Die abgeweideten Flächen haben nach dem Wechsel wieder Zeit zur Erholung und bieten so dem wiederkehrenden Vieh frisch gewachsenes Futter. 

Bernhard Freller zur Lage der Bräuningalm: „Mia sand eigentli mittn do, sand oba do weit weg“. Soll heißen: nur wenige Wanderer besuchen das Almgebiet. Schon vor der Eglgrube, kurz  nach der Loseralm, ehemals Berg­restaurant, verlieren sich die Besucher des Losergebietes. Sie streben dem Augstsee zu.

 

Für die letzte Etappe unseres Rundweges können wir aus einem variantenreichen Wegenetz auswählen. Alle Wege führen nach Rom, das ist in diesem Fall die Loserhütte. Sie steht im Gebiet der Augstalm und von dort ist es nicht mehr weit zu unserem Ausgangspunkt. Auf dem markierten Weitwanderweg 01/E4 (Karl Stöger Steig) haben wir Gelegenheit, einen Blick hinunter zu den Hütten der Eglgrube zu werfen.

 

Die Augstalm – in der Regulierungsurkunde „Auxtalpe“ genannt

Zitat aus der Urkunde: „… besteht zusammen aus 391 Joch, 313,4 Klafter (rund 225 Hektar) und grenzt gegen Norden an den Hochanger – Greimuth – und Alterkogl, gegen Osten an die Brotkorbhöhe, Hufnagl und den Amereith, gen Süden an die Karlebene, den Kniekogl und den Stellerviehzaun, gegen Westen an den Scheitelpunkt des Krensaum = Gschwand - und Auxter Alpenweges und an den Lahngang.“ 16 Berechtigte mit 88 Rindern und 95 Schafen sind genannt. Gegenwärtig ist Bürgermeister Gerald Loitzl dortiger Almherr. Er und drei weitere Altausseer Bauern treiben vom 25. Juni bis Ende August gemeinsam 50 bis 60 Rinder auf. Acht Almhütten, ausschließlich „Niedere Hütten“, werden genutzt. Gerald als Almherr hat mit dem Almbetrieb alle Hände voll zu tun, findet aber bei seinen Almkollegen volle Unterstützung. 

Auf dieser Alm ist alles anders

Abgesehen von den großen Windwurfschäden von Kyrill und Paula 2007 und 2008 im westlichen Teil, die in den Folgejahren aufge­arbeitet werden mussten, ist das gesamte Weidegebiet sozusagen das „Epizentrum“ des Loser-Bergtourismus. Die Augstalm – damit ist natürlich nicht nur das Almtred, wo die Hütten stehen, gemeint – ist somit Freizeitarena und Sportgerät für Alle. Große Teile sind für den Schibetrieb erschlossenes Gelände. Hier befinden sich die Parkplätze der Loserstraße, die Stationen der Sesselbahnen sowie die Schiabfahrt vom Loser­fenster-Lift und die Talabfahrt in die Ramsau. Im Sommer ist es hoch frequentiertes Wander- und Ausflugsgebiet, und zudem auch Eldorado für Mountainbiker. Über das Almtred führt die Schiabfahrt, im Sommer sorgt dort der Zugang zum „Sisi“-Klettersteig für zusätzliche Frequenz. 

Das Gelände um den Augstsee ist herrlicher Wander und Ruheraum, zeitweise auch Freilichtbühne für Konzerte. Das alles sorgt schon öfters für ein Zusammentreffen von Rindviechern aller Art. Die Almbauern leisten dafür größtmögliches Entgegenkommen und erleben es mit der geforderten Ruhe und Gelassenheit. Das Weidevieh hat sich offensichtlich an diesen Betrieb gewöhnt. Gottlob gab es bisher keine erwähnenswerten Zwischenfälle. Aber nix ist fix, denn niemand von den Ausflüglern ist vor Unvernunft und Unwissenheit gefeit. Daher ist es den Almleuten ein großes Anliegen, dass die Bevölkerung die Bedeutung der Almwirtschaft erkennt, somit Rücksicht auf die entsprechenden Erfordernisse nimmt und zumindest der angebrachten Beschilderung Folge leistet. Speziell an die Mountainbiker richtet sich dieser Appell, denn die Zäune sind keine gegen sie gerichteten Barrieren, sondern dienen allein dem Weide­management. Diese nieder zu reißen bedeutet, dass das Vieh entkommt und oft mühsam von entlegenen Stellen wieder eingeholt werden muss.Almherr Loitzl gibt aber auch zu, aus all diesen Einrichtungen auch Vorteile zu ziehen. Die leichte Erreichbarkeit der Alm ist einer davon, private Flächen dürfen für die Almweide mitgenutzt werden. 

Nicht zu unterschätzen sind die neuen Weideflächen, die durch die Begrünung der Schiabfahrten entstanden sind. Der Bau der Pisten vom Loserfenster und deren Begrünung ist hier besonders zu erwähnen.

Jetzt stehen wir gerade vor einer neuen Almsaison. Ich wünsche allen Almbauern und ihren Helfern einen gelungenen und schadlosen Almsommer, der viel besungene Almfriede möge euch häufig beschieden sein. Den Einheimischen und ihren Gästen wünsche ich viele schöne gemeinsame Erlebnisse, damit verbunden vielleicht auch unvergessliche Almstimmungen. 

H.R.

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