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Unsere Almen: Die Hochalmen auf der Grundlsee Sonnseite

Der Henarsee ist zwar klein, aber eine romantische Schönheit. Der Henarsee ist zwar klein, aber eine romantische Schönheit.

„Brunnwiesolm, Breitwiesolm, do hom ma d’Mentscha gfolln, en Henasch homs ar a vier, höllvadommt schia.“ Die Aufzählung der Almen in diesem „Gsangl“ ist nicht komplett, denn zu den Hochalmen der Grundlseer Sonnseite gehört noch die Schoberwiesalm, diese liegt jedoch weit abseits, auf dem Weg Nr. 234 von der Trisselwand zur Brunnwiese; ein stundenlanger „Hatscher“ durch weite Latschenfelder ohne markante Aussichtspunkte. Die drei besungenen Almen jedoch grenzen unmittelbar aneinander, die Weidegebiete werden durch Zäune  getrennt. In dieser Ausgabe will ich mich daher auf diese konzentrieren, die Almbauern auf der Schoberwiesen mögen es mir verzeihen.

Die Almen im Wandergebiet

Die Brunnwiesen liegt am Hauptweg Nr. 235, der „Hauptverkehrsader“ von Grundlsee zum Appelhaus, er vereinigt sich kurz vor der Alm bei der „Wegscheide“ mit dem Weg 234 von der Trisselwand kommend. Dieser Weg über den Almberg ist auch der Triebweg für das Almvieh auf die Almen. Er ist zwar schwierig, aber sowohl die Tiere als auch die Almleute sind ihn gewohnt. Der Auftrieb von der Au (Archkogl) bis auf die Alm dauert immerhin vier bis fünf Stunden.
Die Breitwiesenalm liegt etwas abseits, weiter östlich und ist daher von den Touristen weniger betroffen. Hier treffen sich nur die Kenner, die von der Gößlerkarstiege kommen oder von dort in das Widderkar und zur Gößler Alm oder zur Zimitzalm absteigen. Auf der Henaralm allerdings, wo das Albert Appelhaus und die Selbstversorgerhütte der Naturfreunde liegen, ist der Kreuzungspunkt der wichtigsten Touren im Toten Gebirge. Der bedeutendste ist der Weitwanderweg Nr. 201 oder E4, auf dem auch die „Via Alpina“ verläuft.
Hier tummeln sich den Sommer über mehrere tausend Bergtouristen, geschätzte 2000 davon übernachten auf dem Appelhaus. Befeuert wird diese Bewegung noch durch Veranstaltungen wie z. B. die Bergmesse, der Auftritt von Andreas Reitinger, der Almtanz oder „Jodeln unterm Redenden Stein“ in Gemeinschaft mit dem Märchenerzähler Helmut Wittmann. Das alles verläuft mit dem Almbetrieb weitgehend klaglos und ohne Zwischenfälle, wie mir die Almherren der Henar- und Brunnwiesenalm erzählen. Eine wohltuende Nachricht im Gegensatz zu den Meldungen aus anderen Regionen.

Die Henaralm

Das Weidegebiet umfasst eine Gesamtfläche von rund 500 ha und liegt auf einer Seehöhe von 1500 bis 1900 m. Der Weideplatz „Unter den Himmeln“ am Redenden Stein ist der höchste im Revier. 25 berechtigte Liegenschaften aus den Orten Archkogl, Bräuhof, Gallhof und Lerchenreith dürfen 182 Rinder und 185 Schafe auftreiben. Almherr ist seit 2007 (Todesjahr von Bgm. Albrecht Hillbrand vlg. Doner) Thomas Kogler vlg. Frosch, der dieses Amt mit Freude und Überzeugung ausfüllt. 1983 waren noch 13 Almbauern mit 110 Stück Vieh aktiv, heuer sind es vier Bauern mit 60 Stück, meistens Ochsen, aber auch Mutterkuh-Haltung. Bei der Feststellung der Entwicklung diese Zahlen schwingt schon ein gewisses Maß an Besorgnis mit, wie es wohl weitergehen wird.
Thomas Kogler treibt sei 38 Jahren selbst auf. Er erinnert sich bei den Erzählungen an seine „schönsten Zeiten“. Sein Bestreben ist die Erhaltung der Alm als wertvolles Kulturgut und er betont, dass seine Rinder Hörner haben, womit gesagt ist, dass er Qualität bevorzugt und nicht die Masse. Den Almbetrieb meistert als „Halter“ Martin Fuchs seit sechs Jahren, vorher hielt der bekannte Musiker Toni Burger über 20 Jahre lang die ordnende Hand darüber. Dem Halter steht eine Hütte zur Verfügung, die der Alm­gemeinschaft gehört und von dieser erhalten wird.
Heute sind „im Henasch“ 14 Hütten aktiv, seit dem Bau der Materialseilbahn zum Appelhaus (1980) sind wieder neue Hütten entstanden, diese werden ausschließlich von urkundlich Berechtigten genutzt. Motiv für den Neubau einer Almhütte ist oft die vorausschauende Sicherung des Weiderechtes für die Zukunft – man weiß ja nie...
Einen Wunsch äußert der Almherr mit Nachdruck: Die Almbauern, die einen wertvollen kulturellen Beitrag leisten, mögen darin bestärkt und nicht durch über­bordende Bürokratie behindert werden.

Die Flurnamen auf der Alm

Ein interessantes Detail ist die Erwähnung der Flurnamen im gesamten Almgebiet, von denen noch hunderte erhalten sind. Diese Bezeichnungen sind im Laufe einer langen Zeit entstanden, vor allem als der Viehgang noch ohne Halter, von den Almbauern abwechselnd selbst erfolgte. Da wurde festgestellt, dass am Vortag beispielsweise am „Katzenmoos“ eine Anzahl Vieh gesehen wurde, beim „Henaschsee“ auch und bei „Füchsleins Not“ eine andere Pass. Je weiter vom Alm­gebiet entfernt, umso seltener werden diese Bezeichnungen. Für die Jagd haben diese Namen keine Bedeutung, allerdings wurden sie von den Jägern in ihre Sprache übernommen. Vom Sattler Franz und von Elisabeth Zitz habe ich zusätzlich etliche solcher Bezeichnungen erfahren: Wasserkar, Wasserklapf, Wegschoan, Rotkar, Frauneis, Nierneckgruabn, Kuchl, Bärnstoa (dort hat angeblich der Kaunzn Lois den letzten Bären gesehen), Nockerkogl, Eisnsetz, Der Singerd, Übern Sand, Kammersitzlgruabn, Eingmahrad Bühel, Im Verborign und etliche weitere.
Thomas Kogler und seine Almkollegen nehmen sich um den Fortbestand der Flurnamen an und verzeichnen diese auf einer eigenen Landkarte. Diese Initiative finde ich sehr interessant und nachahmenswert.
Die Brunnwiesenalm
Die Brunnwiesenalm mit einer Größe von rund 200 ha ist der Henaralm vorgelagert und durch Weidezäune abgegrenzt. 14 Liegenschaften aus Ober- und Untertressen, sowie Mosern und Bräuhof sind mit 86 Rindern und 85 Schafen weideberechtigt. Almherr ist Elisabeth Zitz, vlg. Woferl. Heuer sind vier auftreibende Bauern mit 25 Stück Vieh angemeldet, 2018 waren es fünf Bauern mit 40 Rindern. Die Nutzung des Weiderechtes variiert von Jahr zu Jahr. Auf der Alm stehen acht aktive Hütten und eine Jagdhütte. In den letzten Jahren sind dank Hubschrauber­einsatz drei neue Hütten entstanden, alle von aktiv auftreibenden Bauern.
Eine verkehrsmäßige Erschließung wäre zwar praktisch, dem Almleben jedoch abträglich, darin sind sich alle Almberechtigten auf den drei Almen einig. Überhaupt bestehen zu den Nachbar­almen sehr gute Beziehungen und ein bemerkenswerter Zusammen­halt. Das hat sich auch heuer wieder bei der Wegeaktion am 26. Juni bewiesen, an der sich nach Ansage des Henar-Almherrn 24 Personen beteiligten. Speziell am Almberg war nach dem schneereichen Winter erheblicher Einsatz notwendig.

Wichtig für den Almbetrieb ist die Betreuung durch die Wirtsleute vom Appelhaus. Diese wird von allen hoch gelobt, speziell die Zubringerdienste mit der Seilbahn wird oft genutzt. Gut erinnert man sich an die 30 Jahre mit der „Doneln-Familie“ auf dem Appelhaus, die sich um die Almleute besonders bemüht haben.

Als Halter leistet auf der Brunnwiesenalm Stefan Ikarus Kaiser, kurz „Ikarus“ genannt, seit vielen Jahren ausgezeichnete Dienste. Er ist das Jahr über Stiftsorganist in Wilhering und Musikwissenschaftler, aber im Sommer lebt er auf der Brunnwiesenalm ein Leben wie vor 100 Jahren: er hält einige Ziegen zur Selbstversorgung auf seiner Hütte, macht eigenen Käse und ist in zwei völlig verschiedenen Welten glücklich.

Aus alten Zeiten, als die Illing Miaz, die Baderbauern Lois und die Sattler Anna noch Almdirnen waren, ist überliefert, dass das Almtred der Brunnwiese noch gemäht wurde und auf umliegenden Steilhängen das Gleckschneiden noch üblich war.
Über die Illing Miaz, die auf der Schneckenalm Niederalm Dirn war, habe ich in einer der vorigen Nummern berichtet. Sie wurde von Hans Gielge als eine der letzten Almdirnen für ihre 50jährigen Dienste als Sennerin mit einer Urkunde geehrt.

Die Breitwiesenalm

Auf dieser Alm, im Ausmaß von ca. 210 ha auf 1616 m Seehöhe, sind acht Liegenschaften aus Obertressen, Archkogl, Mosern und Bräuhof weideberechtigt (70 Rinder, 81 Schafe). Aktuell sind heuer drei Bauern mit 29 Rindern oben. Bernhard Syen berichtet, wie auch auf der Brunnwiesenalm von jährlich variablen Zahlen. Halter haben sie keinen beschäftigt, den Viehgang besorgen die Almbauern selbst und nutzen dazu ihre teils recht komfortablen Hütten.

Heuer ist, der hohen Schneelage wegen, der Almsommer erst später als sonst in Betrieb gegangen. Hoffentlich wächst bis zum Ende der Saison genug Weide nach, damit die Zeit entsprechend genutzt werden kann. Viel Glück und Alles Gute! H.R.

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