Menu

Unsere Almen: Die Gößler Almen – Teil 1

Zimitzalm – Almidylle, fotografiert von Hermann Rastl Zimitzalm – Almidylle, fotografiert von Hermann Rastl

Hermann Rastl ist ein profunder Kenner unserer Region und Autor mehrerer Wanderführer. Für die Woadsåckleser geht er bei der Erkundung unserer Almen in die „Tiefe”.

Ein weites Gebiet

Als ich mich daran machte, in logischer Fortsetzung der vorigen Abhandlung die Grundlseer Sonnseiten zu bearbeiten, war mir noch nicht bewusst, welch spannende Aufgabe mir da bevorsteht. Aber schon bei meinem ersten Gespräch mit der Kössler Mares wurde klar, welches Gebiet da zu bearbeiten sein wird. Es wurde ein längeres Gespräch, Mares ist eine absolute Insiderin und befasst sich auch selbst eingehend mit der Geschichte und der Gegenwart. Außerdem kennt sie jeden Stein, Steg und Steig in diesem riesigen Revier des Toten Gebirges. Einen wahren Fundus an alten Fotos und Hüttenbüchern hat sie mir geliehen, ein wahrer Schatz liegt in ihren Händen. Als sie so mir nix, dir nix von den 100 Straßner Ochsen im Mitterkar erzählte, wurde mit die Dimension des riesigen Weidegebietes langsam bewusst.

Beim nächsten Gespäch mit dem Butterer Hansl als Wissenden über die Vordernbach- und Gößleralm, kam unter anderem die Organisation der Almgemeinschaften zur Sprache. Da wurde deutlich, dass der „Almherr“ und der „Dorfrichter“ eine durchaus männliche Angelegeheit ist, auch wenn diese mittlerweile in weiblicher Hand liegen; „Almherr“ ist die Kössler Heidi und „Dorfrichter“ Butterer Elisabeth, Tochter von Hans. Und als ich schließlich den Ausseer Bürgermeister Frosch Franz vlg. Sean per Telefon kurz um Auskunft über die Eigentumsverhältnisse beim Lahngangsee bat, wurde mir ob seiner nahezu begeisternden Schilderung bewusst: Diese Geschichte braucht zwei Nummern des Woadsåck.
Herzlichen Dank meinen Beratern!

Ein Überblick

Als Einstimmung für die Abhandlung über die Gößler Almen will ich mich in dieser Ausgabe mit der Leserschaft des Woadsåck auf eine Tour in den Vorhof des Toten Gebirges begeben, wohl wissend, dass es wahre Kenner der Region gibt, denen ich nichts Neues zu erzählen vermag. Diese mögen mir Fehler oder Lücken verzeihen, sich aber vielleicht über rare Einzelheiten freuen.
Die Almen, die es zu begehen gilt, in geografischer Anordnung: Zimitzalm, Gößleralm, Lahngang- und Neufriedalm – exakt nach der Regulierungsurkunde benannt, Neusteinalm (Neastoa) sowie Vordernbach mit ihrer Fortsetzung ins Ochsen- und Mitterkar.

Die Zimitzalm

Das Ganze beginnt mit der Zimitz, die mit ihren knapp 1000 Metern Seehöhe eher einem Spaziergang gleicht. Schon nach knapp einer Stunde ab Murboden ist sie, nach einem kurzen Abstecher zum Wasserfall, erreicht. Sie dient den sechs Almberechtigten aus Bräuhof, Mosern und Reitern als Niederalm und den Hüttenbesitzern als gern besuchte Freizeitinsel. Die Seidlhütte bietet im Sommer einfach gute Verpflegung und Betreuung. Die Öffnungszeiten sind am Ausgangspunkt ersichtlich.
Es wird ein langer Tag
Weiter geht es zur Schweiber, wo das Jagdhaus der Sonnseitenjagd steht und wo der Spaziergänger seinen Abstieg zur Vollendung seines Ausflugs beginnt.
Das nächste Ziel ist die Gößleralm über die Walzen mit herrlichen Ausblicken hinab zum Grundlsee oder hinüber in die wilden Felsen des Reichensteins. Einzelne Flurbezeichnungen entlang des Weges heißen: Zimitz­ebene, Mahdrast (leitet sich eher nicht von Mahd, sondern der Steilheit des Weges wegen eher von matt ab), Schuh­flicker und Saurucken.
Die Alm selbst liegt schon auf 1600 Metern und ist Hochalm für die Gößler Bauern. Hier beginnt das Gelände grob zu werden. Die Hütten liegen in zwei Bereichen: links in der Mulde zum Feuerkogl – ein herrlicher Aussichtspunkt in alle Richtungen – und auf dem Hang zum Klammkogl, rechts auf dem Hang des Grasberges. Vom Rücken des Grasberges hat man einen wunderbaren Blick nach Osten zum Lahngangsee mit dem Salzofen links und dem Neustein rechts – alles Weidegebiet für die Gößler Alm­berechtigten.
Dem Markierten Weg Nr. 213 folgend erreichen wir das „Aibl“. Das allein­stehende Hüttl ist eines von drei Halterhütten und steht im gemeinschaftlichen Eigentum der Almberechtigten. Es war lange Jahre sommerlicher Aufenthaltsort der bekannten Malerin und Pädagogin Edith Kramer (1916 – 2014), genannt „Mumi“
Von dieser Anhöhe geht es nach rechts ins Längtal und Richtung Salzofen. Davor gibt es Abzweigungen ohne Markierung zum Brudersee und Bruderkogel, ebenfalls ein wunderschöner Aussichtsberg. Das Längtal ist immer noch Weidegebiet der Glößler­alm.
Unterhalb des Salzofen, am Gansing endet das Weidegebiet. Hier steht die zweite Halterhütte, das Salzofenhüttl. Stefan „Stefl“ Schranz war dort von 1940 bis 1954 Halter. Das schon grob beschädigte Hüttenbuch wurde von Erni Demml geborgen. Die Schriften wurden von Kössler Mares mühevoll rekonstruiert und händisch abgeschrieben und so der Nachwelt erhalten. Mares hat daraus ein sehenswertes Buch angefertigt und mit alten und neuen Fotos ergänzt.
Der Salzofen hat wegen der prähistorischen Knochenfunde eines Höhlenbären und dem Fund einer Knochenflöte durch Schuldirektor Körber Berühmtheit erlangt.
In weiterer Folge führt der Weg 213 über den Salzofen (2070 m) zum Wildgößl (2062 m). Beim Blick von dort nach Osten, hinunter „zu den Wiesen“ (Wiesenlacke) ist es interessant zu wissen, dass diese auch zu den berechtigten Weidegründen der Gößler gehören.
Der Weg nach links würde uns zum Appelhaus bringen. Wir steigen nach rechts ab zum Abblasbühel und zur Elmgrube. In der Elmgrube stehen nicht nur die ehemals Fürst Kinskyschen Jagdhäuser (um 1860), und die Berg­rettungshütte, sondern auch das dritte Halterhüttl.
Nach dieser anstrengenden Tour – wir sind schon rund acht Stunden unterwegs – denken wir an den Heimweg. Das Almgebiet Lahngang- und Neufriedalm, den Lahngangsee und die Schafbühel haben wir noch vor uns, bevor wir von der Lahn aus auf die Vordernbachalm hinunter schauen. Da bekommen wir den Eindruck von dem riesigen Waldweidegebiet dieser Niederalm, das sich bis hinaus zum Ochsen- und Mitterkar erstreckt. Den Weg dorthin verschieben wir aber auf später.
Allerdings wäre nach einer Übernachtung auf der Pühringerhütte am nächsten Tag die Tour über den Bärnsteig am Fuße des Elm eine Möglichkeit dorthin zu gelangen; ein unmarkierter Weg, ausschließlich für Ortskundige. Wer sich dort nicht auskennt, sollte es besser bleiben lassen!
In diesem „Vorhof des Toten Gebirges“ bieten sich tagelange Varianten von Touren an, allesamt auf den Spuren der Halter und Bauern, die hier fast täglich ihren Viehgang bewältigten und heute noch begehen.

Fortsetzung folgt!

Nach oben

Themen

Artikel nach Autoren

Da Woadsack

Netzwerk

Newsletter