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Unsere Almen: Die Grundlseer Schattseit´n

Die Salzaalm mit Blick gegen Türkenkogel Die Salzaalm mit Blick gegen Türkenkogel Foto: ©Hermann Rastl

Die Almen in diesem Gebiet sind die Grasbergalm, Schlaipfen, Schnecken, Salza und Plankerau. Näher eingehen will ich in dieser Ausgabe auf die Salza- und Grasbergalm, wenngleich mich auch mit der Schneckenalm jugendliche Erinnerungen verbinden. Die freundschaftliche Beziehung meiner Eltern zur Illing Miaz, Almdirn auf der Schnecken- und Brunnwiesalm, machte es möglich, hin und wieder zum „Hirschlosen“ auf die Alm zu kommen und in der Illinghütte zu übernachten. Das Almkoch von der Miaz zum Frühstück schmeckte besonders gut und hielt mich einen ganzen Tag lang bei Kräften.

Erinnerungen

Viel mehr Erinnerungen habe ich allerdings an die Salzaalm. Schon mit 14 oder 15 Jahren durfte ich mit Freunden die Köberlhütte benützen, wobei das Hüttenleben bei offenem Feuer einen besonderen Reiz darstellte. Die Hütte ist übrigens heute noch in demselben Zustand wie damals.

Im Zuge meiner Försterausbildung war ich der Forstverwaltung Mitterndorf zugeteilt. Dabei war ich die meiste Zeit als Gehilfe im Försterbezirk Öderntal bei Oberförster Franz Necker beschäftigt. Als 1967 die ersten großen Windwurfkatastrophen der jüngeren Geschichte übers Land zogen, war auch das Öderntal stark betroffen. Das hatte die Konzentration mehrerer Holzknechtpartien in der „Pyrmoos-Stube“ zur Folge. (Das „Pyrmoos“, wie es im gängigen Kartenmaterial genannt wird, ist ein südwestlich an die Salzaalm anschließendes Hochmoor. Es handelt sich dabei nach meiner Auslegung um das sogenannte „Birimoos“ (Gebirgsmoos), das im Lied vom Hocka Sepperl besungen wird: „Und im Birimoos schreit jo scho long da Gugu, …..“. Im Mitterndorfer Volksmund wird das besagte Gebiet „Bürgmoos“ genannt). Ich erhielt von Forstmeister Krakowitzer und Oberförster Necker den Auftrag, mich um die Trassierung und Bauausführung der Straße vom Rechenplatz auf die Salzaalm zu bemühen – eine stattliche Aufgabe für einen jungen Försterling.

Almdirn war zu dieser Zeit die „Zloamhitter Sivi“, ihre Hütte war ein beliebter Treffpunkt der Almleute und Holzknechte, der Fuhrleute mit ihren Rössern und der Arbeiter vom Straßenbauzug.

Die Pyrmoos-Stube wurde schließlich nicht mehr gebraucht, sie existiert heute nicht mehr. Hans Köberl vlg. Fischer hat sie in den Jahren 1978/79 abgetragen. Eine zweckmäßige Verwendung des Objekts an Ort und Stelle wurde von der Forstverwaltung abgelehnt.

Salza und Plankerau

Die Salza ist Niederalm für die Ortschaften Wienern, Archkogl, Bräuhof und Mosern der Gemeinde Grundlsee, sowie Reith, Anger und Obertressen der Gemeinde Bad Aussee. Insgesamt sind heute 19 Liegenschaften almberechtigt und dürfen 151 Rinder, 152 Schafe und 19 Schweine aufgetrieben werden. Ursprünglich waren auf der Salza 32 Liegenschaften berechtigt und 31 Hütten in Betrieb.

Tatsächlich treiben heute noch sechs Almbauern ca. 50 Stück Rinder (und keine Schafe mehr) auf. Elf Hütten sind intakt. Almherr ist seit 37 Jahren Hans Köberl vlg. Fischer aus Gößl, obwohl er selbst seit vier Jahren kein Vieh mehr auftreibt. Hier gilt nicht wie anderswo die Bezeichnung „Almherr“, Hans ist „Almmeister“, die „Herren“ sind nach eigener Definition immer noch die Forstleute.

Hans Köberl betreut auch die Hochalm Plankerau, die von denselben Bauern bestoßen wird. Die geregelte Beweidung ist durch eine Bewirtschaftung in drei Etagen (Salza, Plankeraumoos, Plankeraualm) gewährleistet, die durch Abzäunung je nach natürlichem Futterangebot organisiert ist. Ein gutes Einvernehmen zwischen Jagd, Forst und Landwirtschaft macht es möglich.

Der Almauftrieb erfolgte früher von Gößl aus über den Winterhaufen (Namens-gebung wegen der ehemaligen Sammelstelle des Holzes für den Schlittenzug) zur Bergstube, und durch den Bergwald übers „Brucka“ (Brugga?) zur Salzaalm. Heute wird das Vieh mit Lastfuhrwerken zur Alm gebracht. Der alte Begriff „Almfahrt“ ist nun wörtlich zutreffend geworden.

Die intakte Almgemeinschaft erledigt vielerlei Tätigkeiten zur Erhaltung der Alm und Pflege des Almlebens. Es helfen auch jene Mitglieder mit, die nicht mehr auftreiben, so z. B. am Almpflegetag oder beim Schwenden. Ein Höhepunkt im Jahr ist das seit 2002 alljährlich stattfindende Almfest, das nur durch Mundpropaganda, weitgehend den Einheimischen vorbehalten ist. Unter anderem kredenzt dabei der Alm- und Fischmeister höchstpersönlich auf offenem Feuer gebratenen Saibling. Der Erlös des Tages wird für die Almerhaltung verwendet.

Die Grasbergalm

Diese Alm ist, ähnlich der Lahnfriedalm, weder Niederalm, noch Hochalm. Ein Almberechtigter aus Wienern und einer aus Lerchenreith dürfen in einer verlängerten Weidezeit vom 21. Juni (Sonnwend) bis 29. September (Michaeli) 17 Rinder, 20 Schafe und zwei Schweine auftreiben. Die Wienerer haben kein Vieh mehr im Stall, somit ist Karl Grill vlg. Kogler heute alleiniger Almbauer und somit auch sein eigener „Almherr“, und das mit viel Bedacht.

Geschichtlich betrachtet ist die Liegenschaft Lerchenreith Nr. 2 vlg. Kogler der jüngste Berechtigte. Von 1820 bis 1862 blieben mehrere Ansuchen um ein Weiderecht erfolglos, Erst mit der Regulierung 1862 wurde für diesen Hof ein zusätzliches Weiderecht für acht Rinder zu Lerchenreith Nr. 1 eingetragen, dafür musste dieser Hof von ein Reduktion von 36 auf 28 Rinder hinnehmen. Lerchenreith Nr. 1 hat im Laufe der Zeit sein Weiderecht verkauft. Gößl Nr. 19 vlg. Rastl war immer schon berechtigt.

Seit einer neuen Fassung der Weide-Regulierung im Jahre 2013 (nach Aufarbeitung der Schäden durch das Sturmereignis „Kyrill“) wird die Anzahl der Rinder nach Großvieheinheiten bemessen (GVE, 1 GVE = 1 Rind älter als 2 Jahre), nämlich 21,2 GVE. Alle anderen Regelungen wurden inhaltlich aus dem Regulierungsvergleich 1862 übernommen.

Der Almauftrieb, ausschließlich Jungvieh, erfolgt heute mittels Lastfuhrwerken über die Grundlseer Zlaim bis ins Auermahd. Von dort sind die Rinder in kurzer Zeit im Almgebiet des Grasberges, sie kennen sich ja schon aus. Früher mussten die Tiere durch den Markt Aussee getrieben werden. Der zunehmende Verkehr machte die Sache nicht leichter, die Tiere ließen sich aber nicht beirren – sie kannten den Weg durch die „Raffler Eng“ und so war alles eigentlich ganz leicht.

 

Die Bewältigung großer Sturmschäden

Die Aufarbeitung der Kyrill-Schäden aus dem Jahr 2007 erstreckte sich über mehrere Jahre und wurde von den beiden Almberechtigten überwiegend im Alleingang bewältigt. 2013 wurde von Alminspektor Ing. Franz Bergler mit dem Alpenverein eine Schwendaktion, das „Bergwaldprojekt“, organisiert. Eine sehr erfolgreiche Aktion, an der sich ca. zehn Personen, einige sogar aus Deutschland, beteiligten. Sie waren eine Woche lang in der Almhütte einquartiert und wurden vom Almherrn verköstigt. Daraus entstandene Freundschaften bestehen heute noch.

Der nächste Tiefschlag erfolgte nach den Sturmschäden im Oktober 2017. Es war wieder das gesamte Weidegebiet betroffen: ca. 143 ha inklusive Waldweide, davon ca. 15 ha. Freiflächen. 

Aus den vorangegangenen Ereignissen hat man aber gelernt und diesmal haben Arbeitskräfte der Bundesforste tatkräftig mitgeholfen. Im Vorjahr, am 21. Juli 2018, hat der Steirische Almwirtschaftsverein mit den ÖBF einen „Tag der Almen“ ausgeschrieben. Almherr Kogler hat sich mit der Grasbergalm daran lebhaft beteiligt und konnte das Almgebiet unter guter Beteiligung der Bevölkerung wieder herstellen. Dadurch sind nicht nur Weideflächen für das Almvieh, sondern auch weitere Äsungsflächen für das Wild entstanden – Nutznießer ist somit auch die Jagd. Für 2019 ist eine Wiederholung geplant.

Karl Grill vlg. Kogler ist mit großer Überzeugung bei der Sache. Für ihn und seine Familie ist die Grasbergalm ein wichtiger Bestandteil seiner Landwirtschaft und des Jahresablaufes. Wie sich die Zukunft gestaltet wird man sehen und wie es mit dem weiteren Berechtigten aus Wienern steht wird auch die Zukunft weisen. Großer Optimismus ist immer angesagt. Es ist jedenfalls angerichtet! q

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