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Unsere Almen: von Lahnfried bis Finet - Dachsteinplateau (Teil 2)

Was einem Paradies auf Erden gleich kommt, wird von den Almbauern mit mühsamer Arbeit liebevoll in Ordnung gehalten. Was einem Paradies auf Erden gleich kommt, wird von den Almbauern mit mühsamer Arbeit liebevoll in Ordnung gehalten. Foto: ©Sepp Ober

Ein herrlicher Herbsttag ist eine gute Voraussetzung, einen Artikel über Almen zu schreiben. Inspiration für die heutige Geschichte war außerdem ein informativer und  unterhaltsamer Abend bei der Familie Oberfrank vlg. Scheibner in Eselsbach.

Das Almgebiet Lahnfried

Auf der Lahnfried - in verschiedenen Wanderkarten auch Landfriedalm genannt, sind sieben Liegenschaften aus Eselsbach und Unterkainisch weideberechtigt. Sie bilden eine intakte und  eingeschworene Almgemeinschaft alter Prägung. Almherr ist der Pauln Werner, sein kongenialer Stellvertreter der Scheibner Sepp. Werner kümmert sich um das Administrative, Sepp um den praktischen Almbetrieb. 

Der Auftrieb und das „Hoamfohrn vo da Olm“ erfolgt über die Gsprangalm. Bis dorthin wird im wahrsten Sinn gefahren, nämlich das Vieh mit dem Traktor gebracht. Dann aber geht’s übers Jagdhaus Herrenalm und Großes Kar zum Samerbrunn und weiter zur Alm, ein ca. Zweistundenmarsch. Früher war das ein weiter Weg vom Eselsbach über den Ödensee auf die Sill und weiter zur Gspang- und Lahnfriedalm, da ist auf dem Weg ein langer Tag vergangen. An eine Erschließung durch einen fahrbaren Weg ist weiterhin nicht gedacht.

Das Lahnfrieder Weidegebiet selbst umfasst ein Gebiet in der Ausdehnung von rund zwei Stunden Fußweg. Nämlich das Kleine und das Großen Kar, wo ein Viehunterstand mit Tränke steht, die Alm selbst und das sogenannten Landfriedtal, bis kurz vor dem „Königreich“, unterhalb der Neualm. Die Neualm liegt direkt auf der oberösterreichischen Landesgrenze und ist eine Obertrauner Alm. Die dortige einzige Almhütte wurde von einem privaten Konsortium gepachtet und so vor dem Verfall bewahrt. 

Rund eine halbe Stunde Gehzeit von Lahnfried, nach Norden über die ober-österreichische Grenze, liegt die Obertrauner Lahnfriedalm. Sie wurde durch Bildung einer Almgemeinschaft mit den Ausseern wiederbelebt und so ebenfalls vor dem Verfall bewahrt.

Die Almgemeinschaft

Die Lahnfrieder Almbauern halten nicht nur ihre Hütten in liebevoller Ordnung. Sie treiben rund 50 Stück Rinder auf und bewirtschaften sie in Mutterkuh-Haltung. Die Alm ist keine Hochalm, aber auch keine Niederalm, es gibt gemäß Regulierungsvergleich eine Weidezeit vom 15. Juni bis 29. September, die nach Möglichkeit ausgeschöpft wird.

Damit dies alles möglich ist gibt es seit rund 20 Jahren alljährlich verstärkte Aktivitäten. 2009 wurde durch die „Aktion Bergwald“ gemeinsam mit dem Alminspektor Dipl. Ing. Franz Bergler und dem Alpenverein eine bemerkenswerte Initiative gesetzt. Die Wasserversorgung der Alm wurde durch eine händisch gegrabene Leitung gesichert, der Weiße Germer wird ausgestochen und die Weideflächen werden durch jährliche „Schwendtage“ erhalten. Die große Entfernung von der „Zivilisation“ ohne verkehrsmäßige Aufschließung fördert die Almgemeinschaft. Niemand nimmt täglich den weiten Weg nach Hause auf sich, Wanderer kommen selten vorbei und so ist man auf der Alm öfter eine längere Zeit unter sich. Das Leben ist karg, es gibt – mit Absicht – nur einen gemeinsamen Brunnen, alles Notwendige muss hinaufgetragen werden und das Handy funktioniert auch nicht. Aber die erforderliche Genügsamkeit hat seinen Reiz, auch auf die Jugend, die mit Aufgaben versorgt, große Freude am Almleben hat. Für die arbeitsreichen Aktivitäten gibt es immer genügend Helfer, die als Lohn zu einem großen Essen und genügend Getränken in froher Gemeinsamkeit eingeladen werden. Wohlgemerkt alles wird hinaufgetragen und wenn ein Packl Nägel fehlt, dann müssen halt diese fünf Kilo auch noch mitgehen. 

Wenn im Spätherbst, nach der Hirschbrunft, so herrliche Tage zu einer ausgedehnten Almwanderung verlocken, so ist der frühe Einbruch der Dunkelheit unbedingt zu berücksichtigen. Der Tag könnte zu kurz werden, so groß ist das beschriebene Gebiet. 

Das E-Bike bleibt im Elendwald bei der Abzweigung zur Gsprangalm liegen. Das Gebiet über Lahnfried bis zur Gemeindegrenze Bad Aussee/Gröbming unterhalb der Neualm ist schon bekannt (siehe oben). Dann folgt das „Königreich“. 

Dieses riesige Almgebiet war Gegenstand eines Forschungsprojektes von ANISA, dem Verein für alpine Forschung mit Sitz in Haus im Ennstal. Das Ergebnis ist im Buch des Vereines „Königreich-Alm, Dachsteingebirge, 3500 Jahre Almwirtschaft zwischen Gröbming und Hallstatt“ nachzu-lesen. Mitten in diesem Gebiet liegt die eigentliche „Königreich-Alm“. Sie ist eine Ennstaler Alm und wird von einem Berechtigten aus Gröbming jährlich mit ca. 40 Rindern bestoßen.

Eineinhalb Stunden weiter östlich liegt die Wiesalm. Hier fährt ein Berechtigter aus Pruggern auf, Halter ist der Schriftsteller Peter Gruber. Wir kennen ihn, er ist gemeinsam mit Toni Burger und Bodo Hell vortragender Halter der exzellenten und gut besuchten Vortragsabende in Gößl und im Ennstal. 

Wieder rund eineinhalb Stunden nach Norden, vorbei zuerst an der Jagdhütte Wies, später an der verfallenen, alten Finet (Finitzalm) ist die neue Finet an der sogenannten Schwarzen Rast erreicht. Hier wurden von zwei Kainischer Bauern im Einvernehmen mit den Österreichischen Bundesforsten zwei neue Hütten errichtet und der Almbetrieb aufgenommen. Die beiden Hütten liegen rund 100 Meter auseinander. Entlang der Forststraße ist bald die Straße durch den Elendwald erreicht, jetzt braucht man nur noch das E-Bike zu finden. Nach einer weiteren Stunde ist man müde aber voller Eindrücke und reich an genossenen Panoramablicken am Ende der Runde angelangt. Aufsitzen – und ab ins Tal.     

H.R.

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