Menu

Unsere Almen

Augstwiesenalm Augstwiesenalm Hans Egger

Zum Geleit: Erzherzog Johann war 28 Jahre alt, als er sich 1810 auf seine erste große steirische Alpenfahrt ins steirische Salzkammergut und ins Ennstal begab. Er hielt alle seine Beobachtungen gewohnheitsgemäß genauestens fest. Ein Ausschnitt aus dem 1882 gedruckten Reisebericht, eine Beschreibung der Almwirtschaft beim Wildensee, wo ihm das erste Mal die imponierende Größe des Dachsteins auf gefallen war: „Überall auf den Alpen fahren Mädchen auf; entweder haben sie das Vieh eines oder mehrerer Bauern zu versehen. Ein oder zwei Halter sind ebenfalls da, um das Schafvieh zu besorgen. Jede Magd hat die Aufsicht über sechs bis acht Kühe, ein bis zwei Schweine, und zehn bis 12 Schafe; hie und da sieht man Ziegen, die aber die Alpendrift der Waldungen wegen nicht verlassen sollten…!

Die Sennerin, in deren Hütte ich war, hatte das Vieh von drei Bauern zu besorgen. Die Hütten sind von Holz, unten ist der Kuhstall, an beiden Enden der Eingang. Oberhalb das Vorhaus, wo der Herd ist; es bildet die Hälfte; die andere Hälfte, abgetheilt durch eine Wand, bildet die Milchkammer, und die Schlafkammer, in der ein gutes Bett, im Vorhaus ist noch der Trog für das Käsewasser, auch liegen hier die Geräthschaften. Überall fand ich die größte Ordnung und bewunderungswürdige Reinlichkeit.“ Die meisten Leute, die diesen Bericht kennen, sind der Meinung, dass dies heute noch Gültigkeit hat. Das mag im Grunde wohl stimmen, doch schwingt dabei eine gehörige Portion Romantik mit. Viele tragen Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend in sich, die sie in Almhütten, in Begleitung von Bekannten und Verwandten gesammelt haben oder in Almsommern als Helfer von Almdirnen und Haltern erfuhren. Unzählige Beschreibungen, ja Romane, Lieder und Gstanzln oder Erzählungen tragen ebenfalls zu diesen Sehnsüchten bei. Sie erfüllen uns mit Freude, wenn wir sie selbst singen, hören oder lesen. 

Die Almwirtschaft 

ist seit Jahrhunderten unersetzbarer Bestandteil der alpinen Landwirtschaft. Die Sennerinnen hatten in der hofeigenen Hierarchie einen besonderen Stellenwert, sie verwalteten schließlich den Sommer über das wichtigste Kapital!

Die bestehenden Weiderechte (als Servitut gemeinsam mit Holz- und Streubezugsrechten) wurden in den Jahren 1860 bis 1880 in sogenannten Regulierungsvergleichen urkundlich geregelt, und das in einer Form die heute noch unverändert Gültigkeit hat und Rechtssicherheit bietet. Eine Besonderheit im Ausseerland sind die „Renitenten“: einzelne Berechtigte waren bei den Regulierungsvergleichen mit den Regelungen nicht einverstanden und haben so lange verhandelt, bis für sie die maximale Forderung erfüllt war. 

Die Weiderechte 

sind auf die einzelnen Liegenschaften bezogen und können nicht verfallen. In den Urkunden ist beispielsweise geregelt, auf welchen Almen die Liegenschaften ihr Weiderecht mit wievielen Stück Vieh ausüben dürfen. Auch wann aufgetrieben werden darf und wann spätestens abgefahren werden muß. Der Auftrieb auf die Niederalm erfolgt um den 25. Mai (Urbani), ausnahmsweise am 15. Mai, wobei der Begriff „Blumsuch“ eine Rolle spielt, d.h. es muß zum Zeitpunkt des Auftriebes ausreichend Weide gewachsen sein. Für den Auftrieb auf die Hochalm sind die Höhenlage und die Anzahl der Tiere maßgeblich. Für den Almabtrieb ist der Michaelitag (29. September) ein wichtiges Datum. Oft erzwingt auch das Wetter, besonders bei vorzeitigem Schneefall, den Almabtrieb. Wichtig für die Ausübung des Weiderechtes ist die jährliche Anmeldung beim sogenannten „Weidverlass“. 

Für die Organisation des Almbetriebes wird von den Almbauern pro Alm ein „Almherr“ bestellt. Er ist damit kein Obmann im vereinsrechtlichen Sinn, sondern das Sprachrohr für die Berechtigten und sorgt für den ordentlichen Ablauf des Almsommers. 

Der Alminspektor 

ist der Vertreter der Agrarbezirksbehörde. Diese sorgt für die rechtlichen Belange und schlichtet im Streitfalle. Sie erlässt rechtsverbindliche Bescheide. 

Der derzeitige Alminspektor, Herr Dipl.-Ing. Franz Bergler ist Landesbediensteter und berät die Almberechtigten. Er sieht sich damit selbst als „Mediator“.      

Bitte blättern Sie um

Veränderungen im Laufe der Zeit

Die Milchwirtschaft auf der Alm hat sich z.B. seit Ende der 1980er Jahre gänzlich aufgehört. Die letzten „Almdirnen“ waren die Scheutz Machtl und die Schiastl Lidi auf der Augstwiesenalm, die Illing Miaz auf der Schnecken- und Brunn-wiesalm oder die Urz Tina im Weißenbach. Mangelhafte Aufzählung möge man mir bitte verzeihen. Heute ist überwiegend auf Mutterkuh-Haltung umgestellt, die Aufsicht und Betreuung auf den Almgebieten übt ein „Halter“ aus, oder die die Almberechtigten besorgen den „Viehgang“ abwechselnd selbst. 

Dazu ein Text von der Faschingscheibe der Grundlseer Schützengesellschaft aus dem Jahre 2011:

Dos ist heit wieda onders worn,

do wird gonz flott auf d Olma gfohrn.

Mit Autos, Quad und a Enduro

Bist heit gonz gschwind woaßgott wo.

Und d’ Hittn san noi ausbaut worn,

dos is gonz gschmoh, ban Olmafohrn.

D´ „Olmdirndln“ san jung und fesch,

die Monna immer spritzig, resch.

Bier und Schnops is a gmua do,

Olso fohrn ma, heit wirds gschmoh.

Und d’ Vieha, wonn oa obn sei solltn,

de solln sie gfölligst selba holtn!

Die Alm als Natur- und Kulturgut

Ein wichtiger Aspekt der ordentlichen Almbeweidung ist die Erhaltung der Naturlandschaft. Anhand aufgelassener Almen, wie z. B. der Schafbergalm im Rettenbachgebiet ist ersichtlich, wie schnell sich der Wald des Gebietes bemächtigt. Die Almen verwachsen, die Hütten verfallen und verschwinden letztlich ganz. Somit verändert sich das Landschaftsbild vollkommen und es ist schade um dieses wertvolle Kulturgut. Die Steiermärkische Landesregierung hat dies erkannt und als Förderungsbeitrag für den Landschaftsschutz im Jahre 1974 den Almerhaltungsbeitrag geschaffen. Dieser beträgt heute e 20,– pro Schaf und e 100,– pro Rind, der dem Landwirt jährlich zusteht.

Traditionen, die früher im Almbetrieb gebräuchlich waren, sind heute beinahe in Vergessenheit geraten. So sind Verständigungsrufe von Alm zu Alm, wie sie von den Sennerinnen gepflegt wurden, oder der sogenannte „Olmschroa“ nicht mehr zu hören. Gerätschaften werden nicht mehr gebraucht und sind größtenteils unbekannt. Den Almabtrieb mit den geschmückten Rindern gibt es, wenn überhaupt, nur mehr als nachgestellte Touristenattraktion. Almraunkerln wurden früher beim Almabtrieb verteilt, das Rezept dieser Köstlichkeit ist weit verbreitet, die „Almkrapfen“ gibt es heute das ganze Jahr über.

Hans Gielge, dessen Lied „Fohrn ma Hoam“ längst in das Volksgut übergegangen ist, beschreibt darin das Ende des Almsommers. Er bittet in einer Strophe mit warnend erhobenem Zeigefinger: „Loßt’s den Brauch nit okemma, wa, jo denna z’tod schod“. – Er hat sich um die Bewahrung almerischen Brauchtums große Verdienste erworben, seine Sammlung ist auf Schallplatte geborgen. Darauf sind u. a. Aufnahmen von Almschreien, Verständigungs-  und Kuhlockrufen zu hören (Kammerhofmuseum Bad Aussee).

Wünschen wir uns also noch viele schöne Almbesuche, frohe Stunden auf Almhütten und viele kameradschaftliche Begegnungen. Legen wir ein dem Umfeld entsprechendes Verhalten an den Tag, damit der viel besungene Almfrieden erhalten bleibt.

 

Die Idee zum Titel „Unsere Almen“ entstand in einer Unterhaltung mit Hans Egger aus Kainisch, der sich intensiv mit den Almen im Steirischen Salzkammergut befasst. Seine komplette Aufstellung umfasst rund 85 Almen! In seinem heurigen Kalender wird jede Woche eine Alm fotografisch dargestellt und werden die dortigen Weiderechte kurz beschrieben. Er hat mich seiner Mitarbeit versichert und dafür danke ich ihm besonders.

Dem Alminspektor Dipl.-Ing. Franz Bergler danke ich für das interessante Gespräch. Er hat mich in Details zum Thema eingeweiht. Seine Erfahrungen als ehemaliger Halter auf der Wildenseealm waren ebenso spannend wie unterhaltsam. Er hatte sich damit zum Teil sein Studium verdient. Heute ist er selbst Vortragender auf der Heute ist er selbst Vortragender auf der Universität für Bodenkultur in Wien und erzählt seinen Studenten aus der Praxis. Den Titel „Unsere Almen“ verwendeten Hilde und Willi Senft für ein Buch, erschienen 1986 im Leopold Stocker Verlag. „Wir tragen unseren Nachkommen gegenüber die Verantwortung für die Erhaltung dieses einmaligen Natur- und Lebensraumes“ – so ein Zitat aus dem Klappentext des Buches. 

Herzlichen Dank Frau Hilde Senft persönlich und dem Verlag für die Über-lassung des Titels.

Nach oben

Themen

Artikel nach Autoren

Da Woadsack

Netzwerk

Newsletter