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Die Hornisse - ein Killerinsekt?

Vespa crabro, Arbeiterin, vor Nesteingang in einer Baumhöhle. Berlin, GrunewaldVespa crabro, Arbeiterin, vor Nesteingang in einer Baumhöhle. Berlin, GrunewaldR. Altenkamp, Berlin (Wikipedia)

Sie sind größer als Wespen, brummen bedrohlicher als Bienen und sind friedfertiger als Beide. Vor der gnadenlosen Verfolgung schützt das die Hornissen aber nicht.

Hätte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt, er würde sich über den Anblick einer Hornisse freuen, hätte ich ihn für verrückt erklärt und belehrt, wie froh ich sei, dass ich noch nie mit einem dieser schrecklichen Insekten konfrontiert worden bin.

Der Zufall wollte es, dass ein Artikel des Umweltjournalisten Mark Perry in meine Hände gelangte: „Harmloser als Honigbienen", prangte in großen Buchstaben, daneben das Bild einer Hornisse. „Hornissen, diese edlenschwarz-gelben Jäger greifen nie grundlos an! Sie sind scheuer als unsere Honigbienen und ziehen die rasche Flucht in den Bau einem Konflikt mit dem Menschen vor", las ich erstaunt. Ich erfuhr, dass Hornissen nicht aggressiv sind. Anders als Honigbienen und Wespen werden sie weder durch Gewitterschwüle noch Schweißgeruch wild.

Niemals würde sich eine Hornisse nach Wespenart auf einen Marillenkuchen oder sonstige Sommer-Süßigkeiten stürzen. „Im Gegenteil – die sind froh, wenn sie ihre Ruhe haben", zitierte der Autor die Artenschutzexpertin der heimischen „World Wide Fund for Nature" (WWF) Jutta Jahrl glaubhaft.

Durch gnadenlose Verfolgung werden die harmlosen gelben Brummer an den Rand des Aussterbens gedrängt. Und dass, obwohl „Vespa crabro" unter strengem Naturschutz steht. Staunend las ich, dass ein Hornissenvolk am Tag so viele Insekten frisst,wie 50(!) Meisen.

Dass sich bisweilen eine Hornisse drohend ins abendlich beleuchtete Wohnzimmer wagt, erklärt die WWF-Expertin so: „Sie jagen auch nachts und werden durch diese ungewöhnliche Lichtquelle angelockt. „Panik ist auch für den ungewöhnlichen Fall, dass eine Hornisse angreift, nicht angebracht: Zwar ist ein Stich schmerzhaft, aber ein gesunder Mensch wird nie daran sterben. Nachsorgfältigen Berechnungen des Naturschutzbundes wären weit mehr Stiche erforderlich, als anzahlmäßig Hornissen in den größten Kolonien leben, um einen Betroffenen in Lebensgefahr zu bringen.

Wie sehr sich durch diesen Artikel meine Einstellung zur Hornisse geändert hatte, bemerkte ich, als eines abends ein vier Zentimeter großer, schwarzgelb gestreifter Brummer mit dem Sound eines Mini-Helikopters in mein Büro schwirrte.

Ich schaltete sofort das Licht aus, aber trotzdem hatte der verirrte Jäger Schwierigkeiten, den Weg nach draußen zu finden. Da fing ich die Hornisse behutsam mit einem Gurkenglas, trug sie nach draußen und ließ sie frei. Zufrieden lauschte ich dem sich entfernendem, beinahe dankbar klingenden Brummen und wusste, das sich nie mehr einer Hornisse etwaszuleide tun würde – im Gegenteil, mit grosser Freude entdeckte ich den prächtigen Hornissenbau im Dachboden meines Hauses.

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