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Zwischen Erfolg und Ruin

Drei Generationen Paul Adler auf einen Tisch: Sie führen voller Stolz das Erbe des berühmten Ahnen bereits in siebenter Generation erfolgreich fort. Drei Generationen Paul Adler auf einen Tisch: Sie führen voller Stolz das Erbe des berühmten Ahnen bereits in siebenter Generation erfolgreich fort. Foto: ©Woadsåck / Khälß

Erzherzog Johann wollte den Hunger im Lande bekämpfen und die Landwirtschaft verbessern. Wir nehmen das Erzherzog Johann Gedenkjahr zum Anlass an Paul Adler aus Mühlreith bei Pichl Kainisch, dem Berater und Freund des „Steirischen Prinzen“, zu erinnern. Eine Niederschrift von ihm und sein Briefverkehr mit Erzherzog Johann geben Zeugnis, wie nah Erfolg und Ruin zusammenlagen.

Paul Adler, der keine Schule besuchen konnte, wollte die heimische Landwirtschaft stärken und erneuern. Wie schwer er zu kämpfen hatte, entnehmen wir einer Niederschrift vom 20. März 1816: „Als ich 1792 mein Guth übernommen habe, kam ich immer mehr in Schulden und schließlich in Gefahr, das Haus überhaupt verlassen zu müssen. Jetzt wollte ich nach Büchern wirtschaften und ließ mir von Graz Bücher kommen - sechs Theile - und ich richte mich ohne Ausnahme nach diesen, fand auch manches Gutte, aber meistens nichts rechtes und es ging weiter bergab. Aber ich, der alles durch die Bücher verwirtschaftet hatte, soll fort in die weite Welt - entweder Knecht oder Soldat werden? Als letzte Chance sollte ich alle Bücher verbrennen. Aber ich kaufte mir neue und zum Glück fielen mir nun die Rechten in die Hände. Und Gott sei Dank: sie öffneten mir die Augen!“
1811 ging Paul Adler nach Klagenfurt, um dort auf einem Musterbetrieb Maschinen, Geräte und die Fruchtfolgen kennenzulernen. Er ließ den eigenen Boden untersuchen, zeichnete über Jahre das Wetter auf und korrespondierte mit den bekanntesten Landwirtschaftsexperten in Europa.

1810 erfuhr Erzherzog Johann, als er gerade in Bad Aussee weilte, von diesem „seltsamen“ Adler Paul und besuchte ihn in Mühlreith, wo sie über drei Stunden über die Zukunft der Landwirtschaft sprachen. Erzherzog Johann war von dem Bauern begeistert und es entstand eine vertrauensvolle Freundschaft.

Paul bewirtschaftete von 1792 bis 1843 den Grünlandviehbetrieb in Mühlreith – drei bis vier Kühe mit Milchleistungen um 500 Liter pro Jahr, Schafe, Bienenstöcke und einen Obstgarten. Im Jahre 1792 holte er vom Kloster Seitenstetten in Niederösterreich Erdäpfel und baute diese zum ersten Mal in der Obersteiermark an. Der Getreideanbau ging aufgrund der Witterung oft daneben und er musste seine Familie mit sieben Kindern ernähren.
Wurde Paul zuerst von seinen Nachbarn wegen seinen außergewöhnlichen Ideen und Innovationen als Spinner gesehen, so startete er mit Erzherzog Johann eine neue landwirtschaftliche Zeitrechnung, auf der wir heute noch aufbauen. Paul Adler wurde von Erzherzog Johann zu den großen Feierlichkeiten in Graz und am Brandhof geladen, wo er nicht selten an der rechten Seite des Prinzen saß. Zahlreiche Briefe belegen die freundschaftliche Beziehung zwischen „dem Prinzen und dem Bauern“:

Auszug Brief
Vordernberg, am 11. Okt. 1824

„Mein lieber Paul!
Die mir übersendeten Alpenlieder erhielt ich dieser Tage und Danke dir dafür; was mich recht erfreut hat, ist die Ansicht deiner Gegend, welcher Popp recht gut getroffen hat. Einer Sennerin bedarf ich eben nicht, aber wohl ist eine für mein Haus in Vordernberg nöthig, diese hat drei Kühe zu besorgen (Heimkühe), bey der Arbeit im Hause, Küche und Garten helfen; sie muss verlässlich hinsichtlich Traue Ordnung und Reinlichkeit seyn - am allerwenigsten könnte ich in meinem Hause dulden, welche das herumlaufen und nachgehen allen Unterhaltungen gewöhnt wäre. Du weisst es ohnedies Paul, das es bey mir einfach und altväterisch zugeht. Schreibe mir also über alles dieses und auch wie ie siche Schreibt, bevor ich etwas bestimme. bleibe du und die deinigen recht gesund, bis ich dich wiedersehe und ich erlaube dir mir zu schreiben, es freut micht gewiss recht sehr. Dein aufrichtiger und gewogener Johann, Erzherzog.“

Paul Adler entwickelt mit dem Erzherzog die Landwirtschaftliche Gesellschaft (heute Landwirtschaftskammer) und wurde selbst von 1818 bis 1843 zum Vorsitzenden der Außenstelle in Gröbming gewählt. Es wurden in dieser Zeit Baumschulen eingerichtet, es wurde Zuchtvieh (Rinder und Schafe) von anderen Regionen Öster­reichs ins Ennstal und Ausseer­land gebracht, es wurde die Bienenzucht gefördert und es gab schon erste Ansätze einer alpenländischen Saatgutvermehrung von Kräutern.

Wie Erzherzog Johann diesen einfachen, biederen Landsmann aus Mühlreith schätzte, beweisen zwei Briefe in welchen er ihm mitteilte, dass er dessen goldener Hochzeit bewohnen wolle und die Kosten dazu übernehme.

Auszug Brief 
Wien, am 16. April 1843

„Hoffentlich wirst du glücklich nach Hause zurückgekehrt und wieder gesund seyn. Ich beantworte nun deine Fragen. Was die Briefe betrifft, so kannst du sie deinen Kindern hinterlassen. Was deine goldene Hochzeit betrifft, so werden wir, wenn wir nach Gastein reisen, anfangs Juli kommen. Weniger Umstände würde es in Aussee machen, jedoch wenn du mehr Freude für Kumitz hast, so kann die Copulation daselbst geschehen - ich gieb dir in Aussee in einem Gasthause, welches due bestimmen kannst eine Tafel auf fünfzig Personen, wozu die alle deine Bekannte, Verwandten und kinder einladen kannst - dann kannst du eine Musik bestellen, wozu kommen kann wer will. Diese ist meinen Antwort und jene der Frau - den zu bestimmenden Tage werde ich dann zu rechter Zeit noch schreiben. Das Geld habe ich in Gratz noch erlegt und du wirst es hoffentlich noch damals erhalten haben. Was wir wegen dem Vieh und die Kälber ausgeredet haben, dabey bleibt es. Johann.“

Auszug Brief
Vordernberg am 31. Mai 1843

„Also. Die Kirchenfeyerlichkeit in Kumitz, wie es dein Wunsch ist. Was die Tafel betrifft - so zahle ich dir für 50 Personen á 2 fl. Münz - dächte ich beim Walcher, die Landes-Musik zahle ich auch. Für Beamte und Bürgern ein Ball beim Strenberger, wo ich die Beleuchtung und Musik zahle, das Übrige gehet mich nichts an. Da können dann dort die Bürger und Herren essen und trinken oder es bleiben lassen nach ihrem belieben und selbst bezahlen. Das ist es, was ich zu erinnern habe. Hoffentlich wirst du nun ganz gesund seyn. Anfangs Juli komme ich nach Aussee. Meine Frau lässt schön grüssen. Gottlob sind wir alle gesund. Johann.“

(Quellen: Privatarchiv Familie Adler, Karl Buchgraber, LFZ Raumberg-Gumpenstein)

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