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Gipfelkreuz am „Berg der Welt“

Es ist vollbracht - das erste Gruppenbild beim Loserkreuz 1963 mit einem Teil der „Loserkreuzsetzer“. Es ist vollbracht - das erste Gruppenbild beim Loserkreuz 1963 mit einem Teil der „Loserkreuzsetzer“. Foto: ©Archiv ÖTB-Turnverein Schwanenstadt

Als junges Mitglied des allgemeinen Turnvereins Schwanenstadt hatte Hartmut Dutzler die Vision auf dem Loser ein Gipfelkreuz zu setzen. Heuer, 55 Jahre später, wird er gemeinsam mit Turnkameraden des TV-Schwanenstadt beim Losergipfelkreuz einer ökumenischen Bergandacht beiwohnen, um dabei wahrscheinlich ein bisschen wehmütig, einer schönen Zeit und auch verstorbenen Kameraden zu gedenken. 

Als wäre es gestern gewesen erinnert sich Hartmut Duzler an die Jahreshauptversammlung 1961 vom „ÖTB Turnverein Schwanenstadt 1870“.  Mit einer Runde gleich-altriger Turnbrüder ist er an einem Tisch im Gasthaus Gruber gesessen. Da die jungen Burschen nicht nur am Turnboden beisammen waren, sondern auch an den Wochenenden gemeinsam in die Berge gingen, drehte sich das Gespräch hauptsächlich um das Berggehen. Besonders der Loser war beliebter Gesprächsstoff. Liebevoll nannten sie ihn den „Berg der Welt“ und auch als ihren Hausberg bezeichneten sie ihn. Wie schon so oft zuvor träumte Hartmut Dutzler laut davon, wie schön es wäre, wenn der Turnverein auf dem Loser ein Kreuz setzen würde. Und die Runde war sich einig: „Diese Idee musst du heute den versammelten Mitgliedern vorbringen!“ Vor einer großen Versammlung zu sprechen war aber gar nicht die Sache von Hartmut Dutzler. So brachte kurzerhand ein anderer seiner Turnbrüder den gewagten Vorschlag, am Loser ein Gipfelkreuz zu errichten. Die Idee fand die Zustimmung der Generalversammlung,  aber der  Obmann gab zu bedenken: „Dazu brauch´ ma aber a Geld!“, worauf spontan ein Hut herumgereicht wurde und so die ersten Spenden hereinkamen - der Grundstein war damit gelegt.

 

Zuerst war ein massives Holzkreuz geplant, aber in der Jahreshauptversammlung 1962 wurde der Beschluss auf ein Metallkreuz geändert. Ende September begab sich ein siebenköpfiger „Loserkreuz-Ausschuss“, trotz Schlechtwetters, auf den Losergipfel und fixierte den Standort des Kreuzes.  Ein Wochenende danach, am 6. Oktober 1962 stiegen 16 Mann, wieder bei Kälte und Schneetreiben, durchs Loser Thörl auf den Gipfel und setzten den ersten Spatenstich. Das ganze Wochenende wurde gearbeitet, angespornt durch Kälte und Wind wollte keiner Meissl und Hammer auslassen. Am Abend fehlte es in der Loserhütte natürlich nicht an wichtigen Fachgesprächen und Ratschlägen. Am nächsten Tag hatten die wackeren Turnbrüder aus Schwanenstadt ganze Arbeit geleistet und eine 60 Zentimeter tiefe Fundamentgrube ausgehoben. Am 27. und 28. Oktober 1962 stiegen sechs Mann, trotz Sturm, Regen und Schneetreiben wieder auf den Losergipfel und hoben die Fundamentgrube fertig aus. 

Hartmut Dutzler betont bei seinen Erzählungen, dass er zwar die Idee zum Loserkreuz hatte, aber die Realisierung ältere, erfahrene Kameraden in die Hand nahmen. Einen streicht Hartmut Dutzler in seinen Erzählungen besonders hervor: Der leider verstorbene  Turnkamerad Karl Pühringer hatte von der Planung, den Amtswegen zur behördlichen Einreichung, bis zur Herstellung des Kreuzes alles im Griff. In der Werkstatt der Joka-Werke, wo er beschäftigt war, fertigten die Schlosser der Firma das Kreuz an, lackierten es und verpackten es in Transportkisten. 

Ohne dem Organisationstalent und den selbstlosen Einsatz von Karl Pühringer wäre das „Unternehmen Loserkreuz“ sehr schwer vorstellbar gewesen. Er leitete mit Leidenschaft die Planung und Durchführung des großartigen Projektes.

Insgesamt waren an 15 Tagen Arbeitseinsätze notwendig (ohne Fertigung in der Werkstatt), um das Kreuz auf den Loser zu transportieren und aufzustellen, 24 Mann aus Schwanenstadt und drei aus dem Ausseerland waren an dieser schweren Arbeit beteiligt. Zitat aus dem Tourenbuch von Karl Pühringer: „Alles ist klaglos verlaufen, nun sind alle Mühen und Plagen vergessen und wir freuen uns über unser Werk!“

Die ökomenische Bergmesse am 29. September um 16:00 Uhr wird beim Losergipfelkreuz in Gedenken an jene gefeiert, die große Mühen und Plage auf sich genommen haben, um dieses weithin sichtbare Zeichen zu setzen. J.K.

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