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Blueten, die niemals verblueh'n

DDr. Friedrich Selle gründete vor 100 Jahren den Alpengarten Bad Aussee. DDr. Friedrich Selle gründete vor 100 Jahren den Alpengarten Bad Aussee.

Der Alpengarten Bad Aussee ist eines der sichtbaren Zeichen vom Wirken des evangelischen Seelsorgers DDr. Friedrich Selle im Ausseerland. Vom Norden Deutschlands gekommen, hinterlaesst er eine eindrucksvolle Spur durch Europa, welche im Ausseerland endet.

Der Alpengarten in Bad Aussee ist nur ein Teil der schoepf­er­ischen Blueten von DDr. Friedrich Selle, auch die Fruechte seiner theologischen Saat bluehen nach wie vor im Ausseerland. Die von ihm mit Feuereifer „missionierte" evangel­ische Ausseer Glaubensgemeinschaft besteht heute aus mehr als 600 Mitgliedern. Eine weitere Frucht seines unermuedlichen Wirkens ist die von ihm unter schwierigen Umständen erbaute Jesuskirche in Bad Aussee.

Geboren am 11. Juni 1860 auf der Insel Ruegen, studierte Friedrich Selle Theologie in Breslau und Halle, ehe er 1886 evangelischer Pfarrer von Cebra/Oberlausitz wurde. Er kuemmerte sich eingehend um die „Sorben", das kleinste slawische Volk, auch „Wenden" genannt. 1891 gründete er die Zeitung in sorbischer Sprache „Pomhaj Boh!", die heute noch erscheint. Dann zog er aus, den evangelischen Glauben zu verbreiten: Er wurde Pfarrer von Meran, sieben Jahre spaeter Pfarrer von Steyr.

Erstmals trat Friedrich Selle 1905 in Aussee in Erscheinung. Von Goisern aus betreute er als erster Seelsorger die evangelische Predigt­station Bad Aussee. Schon zwei Jahre spaeter wurde er zum Pfarrer von Bad Ischl gewaehlt. Sein Weg fuehrte ihn jedoch bald weiter: Er ging nach Graz, wo er im Maerz 1909 zum zweiten Pfarrer von Graz, mit Amtssitz rechtes Murufer, gewaehlt wurde. Nach knapp drei Jahren kehrte er nach Aussee zurueck und das Ausseer­land bekam zum ersten Mal einen staendigen evangelischen Seelsorger.

Mit Feuereifer stuerzte er sich in seine Aufgabe: Es galt die wenigen und zudem sehr zerstreut wohnenden Glaubensbrueder zu einem Ganzen zu vereinen. Unermuedlich machte er seelsorgerische Besuche bei weit abwohnenden Gemeinde­buergern, er unterrichtete und predigte das Wort Gottes, die Gemeinschaft wuchs von 100 auf über 300 Mitglieder. Als eines Tages ein unzufriedener Katholik in die evangelische Glaubensgemeinschaft uebertreten wollte, meinte er trock­en: „Die Katholiken verlieren nichts an ihnen, wir gewinnen nichts mit ihnen, bleiben Sie wo Sie sind!". Er suchte und fand einen Baugrund für "seine" Kirche. Verschiedene Bauplaene und Voranschlaege, u.a. vom Ausseer Baumeister Cordignano wurden eingeholt. Schließlich entschied man sich für den Bauplan der Kirche in Dausenburg (heute eingemeindet in Kaisers­laut­ern/Pfalz): Die evang. Jesuskirche in Bad Aussee wurde am 12. Juli 1908 eingeweiht.

Als Wissenschaftler diente DDr. Friedrich Selle seiner Kirche auch als Historiker. „Das Schicksals­buch der evang. Kirche in Oesterreich" ist ein Monument seiner historischen Forschung. Er beschaeftigte sich neben seiner seelsorgerischen Taetigkeit und kirchengeschichtlichen Arbeiten intensiv mit dem Grenz­gebiet Theologie-Naturwissenschaften. Den praktischen Ausdruck seiner natur­wissen­schaft­­­­­lich­en Be­muehungen brachte Friedrich Selle im Jahr 1913: Er rief einen Alpenpflanzen-Gartenverein ins Leben und gruendete mit dessen Hilfe den Alpengarten Bad Aussee. Anfangs betreute er den Alpengarten mit Hilfsarbeitern selber. Ab 1917 beschaeftigte er kriegsgeschaedigte Invaliden des k.u.k. Infanterie-Regiments Nr. 27 als Alpen­gaertner. Das erste Verzeichnis von 1919 weist mehr als 600 verschiedene Pflanzen nach. Heute betreut Alpengaertner Thomas Steiner mit seiner Frau Anna auf einem Areal von mehreren Tausend Quadratmetern mehr als 2000 Pflanzenarten aus aller Welt.
Als DDr. Friedrich Selle Anfang April 1929 in den Ruhestand ging, mussten er und seine Frau Marie nach Bad Ischl uebersiedeln, weil in Bad Aussee keine geeignete Wohnung zu finden war. Zum Abschied hinterließ er ein Spruechlein:
„Wir ziehen dahin in Gottes Gnade“,
die hier wie dort von Bergen umweht,
und sei´s auch bald auf letztem Pfade – Bergheil! –
Wir wissen dass es aufwaerts geht.“

DDR. Friedrich Selle verstarb am 27. April 1931 nach langem schweren Leiden im 71. Lebensjahr in Bad Ischl und wurde am 30. April in Bad Aussee beigesetzt. Ein Relief im Inneren und ein schlichtes Grabkreuz an der Nordseite der evangelischen Jesuskirche in Bad Aussee erinnern an den ersten evangelischen Pfarrer und Kirchengruender DDr. Friedrich Selle.

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