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Die Pfeiferlmusi Empfehlung

Die „Pfeifer-Pioniere“ Leopold Khals vlg. Ischler Khals (sitzend 2. v. r.) und Hans Stöckl vlg. Die „Pfeifer-Pioniere“ Leopold Khals vlg. Ischler Khals (sitzend 2. v. r.) und Hans Stöckl vlg.

Die Geschichte der Pfeiferlmusi reicht bis ins Mittelalter zurück und hat daher eine lange Tradition. Es sei mir erlaubt, diesmal ein bisschen weiter auszuholen. In unserer Gegend ist um 1280 in einem landesfürstlichen Urbar (Neuhofen, Mitterndorf) von einem „Fistulator“ die Rede. Aus dem Jahr 1687 wird berichtet, dass „Drumbschläger“ und Pfeifer bei der Fronleichnamsprozession gespielt haben. 1808 ließ Erzherzog Johann den Text des Ausseer Schwerttanzes aufzeichnen. Dieser wurde mit zwei Pfeifen und einer Trommel begleitet.

„Mia san die zwoa Pfeiferlbuam…“

Den meisten von uns ist dieses Lied wohl bekannt. Es wurde 1854 veröffentlicht und floss aus der Feder von Alexander Baumann. Von ihm stammt auch das Vordernbachalm-Lied und der Ausseer Postillion. Der Wiener Alexander Baumann (1814-1857), ein beliebter Schriftsteller, Stegreifdichter, Schauspieler und Komponist, trug um 1830 vor allem als Sänger und Zitherspieler einiges zur Bekanntheit und Verbreitung alpenländischer Melodien in den gebildeten Kreisen Wiens bei. Er hielt sich seit 1830 in der Sommerzeit gerne im Ausseerland und vorzugsweise auf der Vordernbachalm auf. Dabei lernte er um 1850 die Brüder Steinegger vlg. „Wilhalmer“ vom Gallhof kennen, die mit der Seitlpfeife spielten und öfter von Albin Schraml auf der „Guitarre“ begleitet wurden.

Die „Pfeiferlbuam“ und der Albin wurden im Winter 1853/54 von Josefine von Wertheimstein, Josef Dessauer und Alexander Baumann zu einem vierwöchigen Aufenthalt in die Kaiserstadt Wien eingeladen, wo sie in bürgerlichen Häusern und Salons die noble Gesellschaft unterhielten. Den meisten Herrschaften dieser Gesellschaft waren die Pfeiferlbuam schon von ihren Aufenthalten am Grundlsee bekannt. Albin Schraml führte ein Tagebuch über ihre Zeit in Wien. Dieses ist erhalten geblieben und wurde dankenswerter Weise 1978 von Herrn Ernst Nowotny mit Kommentaren in der „Schriftenreihe des Heimatmuseums Ausseerland“ veröffentlicht.

Der Sprung in die Gegenwart

Die Pfeiferlmusik hat sich speziell im Salzkammergut, und hier wiederum besonders im Ausseerland, erhalten. Hohe Verdienste haben sich Leopold Khals, genannt der „Ischler Khals“ – Bergmeister im Altausser Salzberg- und später Hans Stöckl vlg. „Kalssn Hans“ erworben, die die Tänze und Weisen für Schwegel aufgeschrieben und an die Jugend weitergegeben haben. Die Überlieferung erfolgte, und erfolgt weiterhin, überwiegend über das Gehör. Auf den Schießstätten ist die Pfeiferlmusi mit Trommel nicht wegzudenken. Wenn die Schützentänze und speziell der Schützenmarsch mit der Trommelbegleitung erklingen, werden die Zuhörer durch den archaischen Klang aufmerksam und berührt.

Im Schützenwesen ist überliefert, dass die Musikanten die vom Zieler aufgezeigten Treffer mit alten Kreismelodien untermalten. Beim Dreier ertönte ein Steirer, beim Vierer oder „Punkt“ der „Punkterer“ – aus überschwenglicher Freude eine Schleunigenmelodie. Auch andere Kreismelodien wurden u.a. von Konrad Mautner und Leopold Kalß aufgezeichnet.

Sofern es noch Schützenzüge gibt, werden diese von den Pfeiferlbuben angeführt. Dies wird heutzutage z. B. von den Grundlseer Schützen beim Einzug der Schützen zum Schützenball gepflegt. Gelegenheit, die Peiferlmusi anzuwenden, gibt es genug: Was wäre, wenn einmal bei einer Schiffsfahrt bei Vollmond auf dem Grundlsee nur die Seitlpfeifer Jodler blasen würden? – Unvorstellbar romantisch wäre das!     

Die Altausseer Seitlpfeifer

Hans Stöckl, vlg. Kalßn Hans war immer Pfeifer und hat sich der Seitlpfeiferei verschrieben. Mit ihm musizierten der Kurz Sepp, der Pucher Sepp und der Engl Max, der zuletzt die Trommel schlug. Irgendwann verloren sich seine Kumpels, der Kurz Sepp verstarb und die anderen hörten auf. So stand der Hans allein da und sorgte sich um die Zukunft der Pfeiferlmusi in Altaussee. Die Brüder Simentschitsch, Thomas (Jahrg. 1956) und Kurt (Jahrg. 1958), im Volksschulalter schon musikalisch interessiert, wollten der Salinenmusikkapelle beitreten und wandten sich an Hans Stöckl, der auch Ausbilder der Salinenmusik war. 

Hans erkannte ihre Talente und stellte die Bedingung, dass sie „pfeifen“ müssten. Die beiden Brüder stimmten zu und lernten 1967 erst einmal den Ansatz mit einer leeren Bierflasche. Tom hat dann gepfiffen und Kurt die Trommel geschlagen. Ein Jahr später schon hatten sie die erste Ausrückung, auf die Schießstätte in Grundlsee. Anwesend war dort auch Herzog Albrecht von Bayern, zu dem der Hans mit „seinen Buben“ in weiterer Folge eine enge Freundschaft entwickelte. Tom und Kurt sind unter der Anleitung vom Hans mehr und mehr in die Pfeiferei hineingewachsen, Hans spielte vor und die beiden mussten „zuahispü’n“ so gut sie konnten – und es wurde immer besser. Es folgten Auftritte bei den Heimat-abenden in der Region, Rundfunk- und Fernsehauftritte. Die Siebziger- und Achzigerjahre waren die Hohe Zeit der Altausseer Seitlpfeifer. Sie waren ständige Gäste und Begleiter der Grundlseer und Altausseer Schützen. Ganz klar waren sie auch fester Bestandteil der Grundlseer Musikantentreffen seit 1975.

Walter Deutsch, der Doyen der Volksmusik in Österreich, wurde auf sie aufmerksam. 1975 kamen sie durch ihn zu einem internationalen Treffen nach Regensburg. Und schließlich schlug 1976 die große Stunde: Amerika feierte 200 Jahre Unabhängigkeit, 1776 die Loslösung von Großbritannien. Das ganze Jahr über wurde gefeiert und Gruppen aus der ganzen Welt wurden eingeladen, Amerika ihre Aufwartung zu machen. Österreich gemeinsam mit Indien, Surinam und Zaire. Aus Österreich waren nach Walter Deutsch’s Vorschlag u.a. die Altausseer Seitlpfeifer dabei. 20 Tage Amerika, jeden Tag eine wilde Gaudi. Die Altausseer Seitlpfeifer: Ehrenbürger von Chicago – Arlington Hights. 

 

Oberbergmeister Leopold Khals, der Vater der Seitlpfeifer, sah durch die rasche Verbreitung der Blasmusikkapellen die Pfeiferlmusi gefährdet. Er sammelte sein Freunde um sich und suchte Kontakte zu Gleichgesinnten mit dem Ziel, alle Pfeifer zu versammeln, Pfeiferstücke auszutauschen und aufzuzeichnen und gemeinsam zu spielen. So entstand am 15. August 1925 der erste Pfeifertag, das erste Zusammentreffen der „Salzkammergut Pfeifer“ auf der Blaa. Es werden etwa zehn bis 15 Teilnehmer gewesen sein. Dabei wurde festgelegt, dass jährlich am 15. August Pfeifertage abgehalten werden sollen. So traf man sich im Folgejahr wieder am 15. August auf der Blaa, wo schon die erste Radioübertragung stattfand, deren Zustandekommen Prof. Raimund Zoder zuzuschreiben ist. Seit diesen Anfangsjahren erfreute sich der Pfeifertag zunehmender Beliebtheit und die Zahl der Teilnehmer wuchs von Jahr zu Jahr. Der Ort des nächsten Pfeifertages im Salzkammergut wurde an diesem Tag vom Pfeifervater bekannt gegeben. So ist es bis heute geblieben. Es existieren Aufzeichnungen seit Beginn über Anzahl und Herkunft der Pfeifer, über den Ort der Zusammenkunft und das Wetter. Bemerkenswert ist, dass seit Beginn nur 13 Regentage verzeichnet sind. Die einzige Unterbrechung der Reihe der Pfeifertage lag kriegsbedingt zwischen 1939 bis 1945. 1946 lebte die Tradition auf der Hoisnrad Alm wieder auf. Leopold, der „Ischler Khals“ wurde 1964 von Lois Blamberger, den er selbst ernannt hatte, abgelöst. Unter ihm schien der Pfeifertag zu einem großen Musikantentreffen zu werden. Er war ja selbst ein großartiger Geiger und ließ deshalb auch andere Instrumente zu. Die eigentliche Pfeiferlmusik wurde von den lauten Rumpelspielern und sogar Blechbläsern zurückgedrängt.

Lois Blamberger war schwer krank und legte vor seinem Tod 1988 in einem Briefverkehr mit dem Hauser Schmiedl fest, dass der Pfeiferlvater wieder aus Aussee kommen soll. Er schlug die Brüder Simentschitsch als seine Nachfolger vor. „Seine Buben (Anm. die Schüler in Ischl) wären noch zu jung“ meinte er und Kurt und Tom wären würdige Nachfolger. Die beiden waren sehr überrascht, weil ihnen vorher keiner diese „Karriere“ angekündigt hatte.

Immerhin üben sie heute noch ihre Funktion als Pfeifervater aus. Kurt übernahm die Organisation und legte gleich am ersten Pfeifertag 1989 auf der Mitterecker Alm in seiner Mittagsrede in Gedichtform fest, dass künftig der Pfeifertag bis Mittag allein den Pfeifern, Trommlern und Maultrommlern vorbehalten sei. Nach Bekanntgabe des nächsten Ortes ist dann freies Musizieren angesagt. Diese Regelung wird bis heute eingehalten.

Die Zahl der Teilnehmer ist nunmehr auf etwa 80 bis 100 angewachsen. Sie kommen nicht nur aus dem Salzkammergut, es werden auch Gäste aus Bayern und der Schweiz begrüßt. Dass der Pfeifertag trotz entlegener Orte beinahe Volksfestcharakter angenommen hat, braucht nicht näher erwähnt zu werden.

Der heurige Pfeifertag war der 87ste und ist auf der Weissenbachalm erfolgreich vonstatten gegangen. Auf Wiedersehen 2018 auf der Sausteigalm (Zwölferhorn, St. Gilgen).

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