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Die Grundlseer Tanzmusi – oder „Der Gasperl Adolf und der Liacht Sepp“

Die zwei Zitherspieler Loitzl (li.) und Gaiswinkler (re.)Die zwei Zitherspieler Loitzl (li.) und Gaiswinkler (re.)Foto: privat

Spielleut´- gestern und heut´: „Wer spielt denn?" – „Da Gasperl Adolf und da Liacht Sepp" – Das war die gängigste Auskunft, wenn von der Grundlseer Tanzmusi die Rede war. Die beiden Geiger Adolf Loitzl vlg. Gasperl Adolf und Sepp Gaiswinkler vlg. Liacht Sepp waren natürlich die führenden Persönlichkeiten der Formation.

Mit dabei waren: Gustl Hillbrand vlg. Besner Gust mit der Rumpel, Max Strimitzer vlg. Kesselstatt Max mit der Ventilposaune und Albrecht Köberl vlg. Grafen Brecht mit dem Kontrabass. Keiner hat sich beim Spielen besonders hervorgetan. Das war eine Grundhaltung dieser Musikanten und gerade in dieser Harmonie lag wahrscheinlich ihr Erfolg.

Wer damals, in den Sechzigerjahren, steirisch tanzen wollte, kam zum Schraml in Grundlsee. Sie kamen in Scharen und vielen der damaligen Tänzer sind diese Tanzabende, oder Walzerabende, wie sie zuletzt hießen, im Sommer beim Schraml bis heute in lebhafter Erinnerung.

Die Tanzmusi

Diese Männer waren unglaublich fleißige Spielleut. Zu dieser Zeit gab es jeden Mittwoch noch die „Begrüßungsabende" beim Schraml. Da sind die Hausleute mit ihren Sommerfrischlern hingegangen und haben den Schraml-Saal bis zum letzten Platz gefüllt. Den Gästen hat es gefallen, wenn die Tänzer ihre Dirndln beim Steirer durch das Fensterl lieb angeschaut haben, wenn gesungen und gepascht wurde haben sie sich sehr gewundert und beim Bussl vom Polsterltanz konnten sie sich vor Begeisterung überhaupt nicht mehr halten.

Am Sonntag war das Seekonzert der Grundlseer Musi, Adolf Loitzl war viele Jahre Kapellmeister. In zwei zusammengespannten Plätten wurde die Kapelle vom Lindl-bauer bis zum Gasthof Post gerudert. Von dort ging der Adolf gleich hinauf zum Schraml, wo er bis kurz nach Mitternacht mit seinen Männern zum Tanz aufgespielt hat. Sie spielten auch bei vielen örtlichen Anlässen. Üblicherweise hat man beim Schraml geheiratet und bei einer „Schramlhochzeit" hat natürlich die Grundlseer Tanzmusi gespielt. Alle einheimischen Tanzweisen waren ihnen geläufig, dazu haben sie auch bei der Wiener Schrammelmusik Anleihe genommen und sich zu ihrem Repertoire noch klass-ische Operettenmelodien sowie Märsche und Walzer z. B. von Lanner oder Ziehrer für ihren Gebrauch zurechtgespielt (andererseits haben ja auch in früheren Zeiten große Komponisten Motive aus der der Volksmusik für ihre Werke verwendet). Adolf und Sepp waren noch dazu ausgezeichnete Zitherspieler und wurden für diverse Feiern engagiert.

Zwei Freunde erinnern sich

Hermann Härtel und Rudi Pietsch waren damals noch blutjunge Burschen und wussten noch nicht, dass sie einmal in der Volksmusik, speziell in der Geigenmusik eine wichtige Rolle spielen würden. Sie kamen per Autostopp aus dem Ennstal zufällig nach Grundlsee und gerieten in den Schramlsaal, wo gerade ein Tanzabend war.

Zitat aus Hermann Härtels Erzählung: „Auf der Bühne geigte der Loitzl, dem damals schon einer seiner Finger fehlte, so fein und zielstrebig, wobei der kurze Strich eine prägnante Melodie hinterließ. In seinem Gesicht war Konzentration zu erkennen, gleichzeitig aber hatten seine Augen die Strahlkraft eines Dämonen, der es dem Tanzpublikum erst recht geben will – auf Gedeih und Verderben. Im Hintergrund ist mir der Ventil-Posaunist aufgefallen. Seine Posaunen-Tonfolgen sind mir heute noch im Ohr und ich habe das unbedingte Verlangen, beim Spielen eines Steirer oder Landler, ihm – dem Vorbild von damals - mit meiner Ventilposaune zu folgen. Dabei hat er beim Beginn zum Steirer die ersten vier Takte meist die Haupt-melodie mit vollzogen, hat sich dann eine dritte Stimme genau dazwischen gesucht und seinem emotionalen Empfinden nachgegeben und zwischendurch bald einmal wieder der Melodie Vorschub geleistet. Das war eine selten schöne Einfügung in das Ensemble, ohne sich virtuos hervor zu tun, immer dem Gesamtklang und der Impulsgebung für die tanzenden Seelen dienend."

Ist es also ein Zufall, dass Hermann Härtel mit seinen „Citoller Tanzgeigern" seit nunmehr 30 Jahren auf dem Grundlseer Schützenball spielt und diesen damit wieder zum beliebten Volkstanz-Ball gemacht hat? Der Schützenball ist auch mit ein Grund, dass sich heute die jungen Leute wieder für den Volkstanz interessieren, zum Tanz aufspielen und zum Beispiel den Kathreintanz beim Schraml organisieren.

Rudi Pietsch, heute Univ. Prof. auf dem Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie der Uni Wien und erster Geiger der Formation „Die Tanzgeiger", hat mir oft davon erzählt, dass er beim Schraml seine ersten Erfahrungen und Eindrücke von der Geigenmusik gewonnen hat. Diese begleiten ihn bis heute.

Vor einigen Jahren war Rudi Pietsch mit seinen Studenten beim Veit in Gößl. Am Abend haben dort die „Fensageiger" aufgespielt. Ich hatte das Vergnügen auch dabei zu sein. Plötzlich, während eines Stückes der Fensageiger, meinte der „Herr Professor", dass diese Musikanten dem Spiel und Klang der alten Grundlseer Tanzmusi am nächsten kämen. – Die Fensageiger haben sich anhand von alten Tonbandaufnahmen der Grundlseer Tanzmusi auch an dieser orientiert.

Hermann Härtel und Rudi Pietsch haben 2012 den Salzburger Tobi-Reiser-Preis erhalten. Sie haben die Geige (wieder!) in der Volks-Tanzmusik etabliert und sie zu nicht mehr wegzudenkenden Elementen der Tanzmusik gemacht. „Wir haben es hier mit ganz außerordentlichen Musikvermittlern, Musikpädagogen, Forschern, musikalischen Brückenbauer über Generationen und Kontinenten, vor allem aber mit beseelten Musikern zu tun. Ihr Verdienst, ja, ihr Lebenswerk war und ist es, die Geige als das zentrale Instrument der Volks- und Unterhaltungs-musik über eine Durststrecke hinüber gerettet zu haben", erklärte die damalige Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller bei der Preisverleihung. Ob da nicht auch die Grundlseer Tanzmusi ein bissl mitgespielt hat?

Danke den Auskunfts-personen: Hans Loitzl, Eva Köberl geb. Strimitzer und Heidi Simentschitsch für die Fotos sowie Prof. Hermann Härtel und Prof. Rudi Pietsch für ihre Beiträge.

Berichtigung:

In der Geschichte über die Schenner Musi in der vorigen Ausgabe habe ich behauptet, dass sie „nie" zum Tanz aufspielte. Das ist nicht richtig, sie spielte auf der Hochzeit von Peter und Christl Komarek, wo natürlich auch getanzt wurde. Richtig ist allerdings, dass die Schenner Musi nicht wirklich eine Tanzmusi war.

Danke Peter für Deine Bemerkung!

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