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Karfreitagtragoedie 1954 am Dachstein

Karfreitagtragoedie 1954 am Dachstein© Archiv Sepp Schilcher

2014 jährt sich die groeßte Sturmkatastrophe vom Dachstein zum 60. Male. Zehn Schueler und drei Lehrer starben am Karfreitag 1954 im „Ostersturm".

Heilbronn am Beginn des Jahres 1954:

Die totale Zerstoerung der Stadt im Zweiten Weltkrieg liegt noch kein Jahrzehnt zurueck, der Wiederaufbau ist in vollem Gange. Der Blick der Menschen richtet sich jedoch nach vorn, in bescheidenem Mass beginnt man sich Dinge zu leisten, die ueber die reine Existenzsicherung hinausgehen.

Vor diesem Hintergrund reist am Palmsonntag 1954 eine 150-koepfige Schülergruppe mit dem Zug von Heilbronn nach Oesterreich... Von der Bundessportschule Obertraun aus unternehmen die Jugendlichen Wanderungen, Bergtouren, Kletteruebungen und Klettertouren.

Am 15. April (Gruendonnerstag) ist für die gesamte Heilbronner-Gruppe ein Wandertag angesagt. Lehrer Hans Seiler plant mit einer kleinen Schuelerauswahl von Obertraun (511m), ueber das Heim Krippenbrunn (1568m) und die Gjaidalm (1.739m) zu wandern und von dort den Krippenstein (2.105m) zu ersteigen.

Bei gutem Wetter verlassen um 6 Uhr früh drei Lehrer und zehn Schueler die Bundessportschule Obertraun zu einer Bergtour ohne Rueckkehr...

Etwa um 10 Uhr setzt im Tal Nebel und Regen ein, am Dachstein wuetet ein Schneesturm – das Drama nimmt seinen Lauf. Die Hoffnung, dass die Gruppe in der Gjaidalm beim Huettenwirt Sepp Schilcher Unterschlupf gefunden haben, bewahrheitet sich nicht.
Die Gruppe hatte ihrer Route geaendert und war über die Schoenbergalm aufgestiegen und von dort Richtung Daeumelkogl/Gjaidalm weitergegangen, dort aber nie angekommen. Ein Bild aus den Fotoapparat eines der Verunglueckten zeigt die Gruppe auf ihrem Weg in den Tod.

Sechs Wochen lang suchen rund 500 Bergrettungsmaenner, Bergfuehrer und Alpingendarmen das riesige Gebiet ab. Am neunten Tag der Suche macht der Gendarm Paul Sturm waehrend einer Rast eine schaurige Entdeckung: Unweit von seinem Jausenplatz ragt eine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger aus dem Schnee. Noch am selben Tag findet man sechs weitere Leichen.

Nach 42 Tagen der Suche, unter haertesten Bedingungen, findet der Gendarmerie-Patrouillenleiter Alois Radinger die letzten Vermissten, den Lehrer Sailer mit einem 14-jährigen Schueler unter dem Arm, so wie er ihn die letzte Strecke mitgeschleppt hat.

Am Osterwochenende 2014 jaehrt sich diese Tragoedie zum 60. Mal.

Zur Erinnerung an die Dachsteintragoedie 1954 wurde ein schlichtes Holzkreuz – das Heilbronner Kreuz am Wanderweg vom Krippenstein zur Gjaidalm errichtet.

Am Krippenstein selbst wurde ein Kirchlein gebaut, in der eine Glocke aus der deutschen Stadt Heilbronn aufgezogen wurde - den Toten zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung.

(Quellen: Heimatkundliche Schriftenreihe, Band 3 v. Roman Pilz, Manuskripte Dr. Christhard Schrenk - Stadtarchiv Heilbronn, Erzaehlungen Zeitzeuge Fritz Hinterer, Fotos Archiv Sepp Schilcher)

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