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Freeride-Rennen - Sicherungspflichten des Rennveranstalters

  • geschrieben von  Mag. Christopher Angerer, Rechtsanwalt Bad Aussee

Der Oberste Gerichtshof hatte sich erst kürzlich mit einem Unfallgeschehen eines Freeride-Rennens, also einem Skirennen im freien Skiraum abseits der gesicherten Piste, auseinanderzusetzen. Ein Rennteilnehmer kam während des Rennens in einer Mulde zu Sturz, verletzte sich schwer und „verklagte“ den Veranstalter - und bekam Recht.

Der freie Skiraum ist grundsätzlich nicht zu sichern. Wird jedoch ein Freeride-Rennen im freien Skiraum organisiert, ist der vorgegebene Streckenverlauf vor atypischen Gefahren zu sichern. Atypisch ist eine Gefahr dann, wenn sie ohne weiters nicht erkennbar ist oder trotz Erkennbarkeit schwer zu vermeiden ist. Wie bereits erwähnt, kam der Rennteilnehmer in einer Mulde, welche sich hinter einer Geländekante befand, zu Sturz. Eine Mulde ist im freien Skiraum an sich nicht untypisch - wäre also nicht als atypische Gefahr abzusichern gewesen. 

Im konkreten Fall beging der Rennveranstalter jedoch den „Fehler“, dass er eine Richtungstorstange direkt an der Geländekante vor der Mulde anbrachte. Durch das Anbringen der Richtungstorstange wurden die Rennteilnehmer geradezu zum Gefahrenbereich hingeleitet. Der Rennveranstalter schuf dadurch selbst eine atypische Gefahrenquelle und hatte letztendlich die fahrlässige Schaffung einer ungesicherten atypischen Gefahr zu verantworten. Der OGH sah kein Mitverschulden des Rennteilnehmers, da es geradezu üblich sei, dass Rennteilnehmer im Renntempo - und nicht auf Sicht - fahren. 

Die vom Rennteilnehmer vor dem Rennen gegenüber dem Rennveranstalter unterfertige Haftungsfreizeichnung blieb wirkungslos. Die Haftung eines Rennveranstalters für die Sicherung der Rennstrecke kann bei Fahrlässigkeit nicht wirksam ausgeschlossen werden.

Dieser Fall zeigt, dass an Rennveranstalter eines Freeride-Rennens - und davon gibt es einige in unserer Region - hohe Anforderungen an die Auswahl des Streckenverlaufs gestellt werden. Nicht nur die seitliche Begrenzung der Strecke, sondern auch die Setzung von Richtungstorstangen, hat sorgfältig und vorausschauend zu erfolgen, um das Haftungsrisiko zu relativieren.

Mit sportlichen Grüßen
Mag. Christopher Angerer
Rechtsanwalt der ANGERER-HARREITER Rechtsanwälte OG

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