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Vom Wandern zum Pilgern

Als man noch glaubte die Welt wäre eine Scheibe, galt Kap Finstere als das Ende der Welt. Nur wenige Pilger wandern die 60 km von Santiago de Compostela noch zum tatsächlichen Ende des Jakobsweges, bzw. zum „Ende der Welt“ - Franz Bergler natürlich schon.Als man noch glaubte die Welt wäre eine Scheibe, galt Kap Finstere als das Ende der Welt. Nur wenige Pilger wandern die 60 km von Santiago de Compostela noch zum tatsächlichen Ende des Jakobsweges, bzw. zum „Ende der Welt“ - Franz Bergler natürlich schon.

Ich war schon immer gerne zu Fuß in den Bergen unterwegs. Ob als Wildenseehalter zu meinen Viehern oder auf irgendeinen Berggipfel der Heimat oder in fremden Ländern (Nepal Pisang Peak und Island Peak – zwei 6000ender, in Afrika auf den Kilimanjaro, oder in Borneo auf den Kinabalu). Dabei habe ich immer wieder bei sogenannten „Heiligtümern“ ein bisserl innegehalten.

Zum Pilgern kam ich erstmals 2014, als ich bei einer kombinierten Pilgerreise am Jakobsweg in Spanien teilnahm. Die „grünen“ Pilgerwege wurden zu Fuß, die „grauen“ Pilgerpfade (Straßen) per Auto absolviert. So kam ich auch nach Santiago de Compostela. Dort wurde mir bewusst, dass dies nicht meine Welt ist. Knapp 240.000 Pilger im Jahr 2014 auf dieser Strecke, 2017 werden es schon knapp 300.000 sein. Die 60 Kilometer Asphalttretens, bis zum tatsächlichen  Ende des Jakobsweges auf Kap Finstere, konnten mich auch nicht umstimmen.

Ich, ein Mensch aus dem schönen Ausseerland wusste sofort, dass es die schönsten Wege im Salzkammergut gibt. Und mit Gott unterwegs sein, kann ich genauso beispielsweise von der Stummernalm bis zum Feigentalhimmel. Viele Einheimische und Gäste nützten die Herbstzeit, um in den Bergen des Steirischen Salzkammergutes die unendliche Fernsicht und die Schönheit unserer Heimat zu inhalieren. Egal wie man diese Form der Erholung nennt, vom „Dohigeh“, Wandern, Trekking oder Nordic Walking (ich sage liebevoll „narrisch Wogeln“ dazu), es geht in erster Linie um ein gesundes Sich-Bewegen in einer sehr schönen, intakten Umgebung. Die Formen und Gründe des Wanderns sind unterschiedlich. Eine Form davon ist das Wandern mit Gott, was als Pilgern bekannt ist. 

Wenn ich was mache, so will ich auch etwas darüber wissen. Aus diesem Grund absolvierte ich heuer die Pilgerausbildung in Graz. Im Zuge der Ausbildung durfte ich zwei Pilger-wand-erungen mitmachen bzw. mitgestalten. Die erste ging von Hausruck über Waldzell, dem Hausruck-Kobernaußer-Weitwander-Weg entlang  der alten Grenze zwischen Bayern und Österreich (mit historischen Grenzsteinen), wo heute die Grenze zwischen dem Inn- und Hausruckviertel ist, bis nach Uttendorf (ca. 60 km). Die zweite Pilgerwanderung führte mich von Frohnleiten nach Fieberbründl. Die Strecke von ebenfalls ca. 60 km pilgerte ich mit 16 Kollegen in zwei Tagen. Das Schönste ist immer die Ankunft mit der abschließenden Messe. Beim Pilgern gibt es jede Form des Gehens. Ich kann alleine mit mir unterwegs sein. Suche ich für ein Thema, welches gerade aufgetaucht ist, einen Gesprächspartner, so rede ich mit einem Mitpilger. 

Für mich als praktizierender Katholik ist das Pilgern eine ideale Kombination vom herkömmlichen „Dohi-Geh“ verbunden mit der Demut vor der Natur und der Schöpfung, wozu auch das Gebet gehört. Ich weiß schon, dass man sich heute fast schämen muss, wenn man bei einer Kapelle vorbeikommt und das Kreuzzeichen macht, aber ich lasse mir meinen Glauben sicher von niemand wegnehmen.

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