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„Spielleut“ gestern und heut': Die „Singadn“ Empfehlung

„Bachwirt“ Johann Kain (1820-1894)„Bachwirt“ Johann Kain (1820-1894)

Der „Bachwirt“ Johann Kain unterhielt in den Jahren zwischen 1860 und 1890 im Gastgarten des Wirtshauses „Am Bach“ in Lupitsch Einheimische und Sommergäste. Er hat acht handgeschriebene Liederbücher hinterlassen, die 518 Lieder enthielten. Bei etwa 110 Liedern stand der Vermerk: „Von mir selbst gedichtet“.

Für das Ausseerland am wichtigsten sind natürlich die Sammlungen von Konrad Mautner, das „Steyrischen Rasplwerk“ (1910) und „Alte Lieder und Weisen aus dem Steyermärkischen Salzkammergut“ (1918). Seine einleitenden Sätze beschreiben ein köstliches Bild unserer Gegend in der damaligen Zeit.

Hans Gielge, dem Erzherzog Johann und Konrad Mautner wohl als Vorbilder gedient haben mögen, hat sich durch sein Wirken ebenfalls große Verdienste um das Liedgut erworben. Als Gielges wesentliche Repräsentanten habe ich die Familie Hochfellner im Woadsack schon vorgestellt, der Pucher Dreigesang darf dabei nicht unerwähnt bleiben.

Volkslied „gestern“

Für die Darstellung der Sänger in dieser Ausgabe habe ich vier repräsentative Gruppen ausgewählt. Im Laufe meiner Erhebungen wurde deutlich, dass alle Teilnehmer aus einem familiären Milieu kommen, in dem leidenschaftlich gesungen wurde. Sie passten stimmlich wunderbar zusammen und fanden Gleichgesinnte, die sich harmonisch einfügten. Hier fand auch die erste Übernahme der Lieder von den Eltern statt. Durch diese Erfahrungen fiel es ihnen nicht schwer, sich vor einer größeren Zuhörerschaft zu präsentieren.

Goiserer Viergesang Fritz Hillbrand Toifl Lois Neuper Sepp und Willi Winterauer Schilcher Werner

Den Anfang machten die Goiserer.

Nach meiner Erinnerung war der „Goiserer Viergesang“ in den 1960iger Jahren die erste Gruppe, die öffentlich aufgetreten ist. Der Zitherspieler und Kapellmeister Werner Schilcher (genannt „Schül Wern“) – ein außergewöhnlich begabter, kauziger Musikant - war schuld daran, dass sich der Toifl Fritz, die beiden Winterauern und der Schullehrer Lois Neuper zusammenfanden. Sie haben sich stimmlich ideal gefunden und ihren Gesang genauer genommen als andere Sänger der damaligen Zeit, aber die Urwüchsigkeit behalten – Urwüchsigkeit, der wichtigste Wesenszug im heimischen Volksgesang. Ihre Schallplatte (gemeinsam mit der Simon Geigenmusi) lag eigentlich ständig auf meinem Plattenteller und ihre Jodler begeistern mich heute noch. 

Hollerschnapszuzler mit Gfollner Conny Burgler ServusTV Veit

Die Hollerschnapszuzler

Sie sind aus meiner Empfindung die idealen Nachfolger des Goiserer Viergesanges, auch wenn einige Jahrzehnte dazwischen liegen. Der Grund mag vielleicht an Klaus Neuper liegen, er ist der Sohn von Lois Neuper und auch ein umtriebiger Musikant.

Es war am 15. Jänner 2003, als sich zum Geburtstag vom Klaus bei ihm zwei Männer einfanden: Hans Pliem und Hermann Grill (Hauser). Sie haben die halbe Nacht mit-einander gesungen und dabei eine Flasche Hollerschnaps „ausgezuzelt“. Hermann hat, ebenso wie Hans und Klaus, aus dem Elternhaus eine Menge Lieder gekannt und der Abend nahm kein Ende. Daraus entstand das Verlangen nicht nach mehr Schnaps, sondern nach mehr Gesang. Mit Gernot Gföllner fand man einen idealen Bass und gemeinsam mit Walter Klanner erklingen manchmal auch Fünfer-Jodler. Ihre Lieder stammen aus den familiären Überlieferungen, sie singen oft auch Lieder und Jodler, deren Herkunft unbekannt ist. Dazu kommen solche von anderen Gruppen, auch von deren Tonträgern, die ihnen einfach gefallen. Oft studieren sie auch „notische“ (cit. Klaus Neuper) Lieder ein, die einen moderneren Ursprung haben. 

Die Freude am Gesang ist jedenfalls groß. Proben sind unregelmäßig aber eben doch notwendig. Das Ergebnis sind schmissige Lieder und wunderbare Jodler, einfach gut zum Anhören, auch zu Hause von der Konserve.

Ausseer Dreigesang mit Hauser Sefa

Der Ausseer Dreigesang

Gretl Demml (Stapfl) mit Bruni Neuper und Anni Köberl (Hiasler) waren in den ersten Jahren des Grundlseer Musikantentreffens ein fester Bestandteil der Veranstaltung. Ihr Gesang war so frisch, kräftig und gar nicht weiblich „lieb“, dass man ihnen gerne zuhörte. 

Ihr Anfang lag im „Degeneve-Chor“ um 1955, dort haben sie schon als Kinder gemeinsam gesungen. Karl und Paula Degeneve lagen mit ihren musikalischen Aktivitäten irgendwie in Konkurrenz zum Hans-Gielge-Kreis, hatten sie doch ähnliche Interessen, aber einen differenzierten Zugang zum Gesamten. Degeneve hing eher an der Überlieferung, Gielge jedoch an seinen eigenen Idealen.

Im September 1973 gab es beim Altausseer Bierzelt ein zufälliges Wiedersehen der drei „Sangesschwestern“ von früher: Gretl, Bruni und Anni. Aus Freude darüber wurden ein paar Jodler herausgelassen und dabei festgestellt, dass irgendwie der Gesang fehlt und sie nach wie vor gut zusammenpassen – der Ausseer Dreigesang war geboren. Schon bald kam es zu Auftritten bei Grundlseer Heimatabenden beim Veit und in der „Kantine“, dabei wurden sie oft von Hans Schraml vlg. Langer auf der Zither begleitet. Sie wurden mehr und mehr bekannt, jung und fesch waren sie außerdem, und so folgten unzählige Auftritte bis weit über die Grenzen. Sicher hat der österreichische Schisprung-Star Hubert Neuper („Hupo“, der Sohn von Bruni) zu ihrer Bekanntmachung beigetragen, aber letztlich waren es ihre Lieder und ihr Charme, der es ausmachte. 

Am 31. Jänner 1982 kündigte der Steiner Franz in der Kleinen Zeitung den Auftritt des Ausseer Dreigesangs bei „A Gaudi muaß sei“ im ORF an und am 17. September 1983 übertitelte das Tagblatt seinen Bericht über ihr Jubiläum: „Drei Emanzen feierten ihr zehnjähriges Jubiläum“. Etwa 1988 ist das gemeinsame Erfolgs-projekt langsam ausgelaufen. – „Es war immer sehr lustig“, behaupten sie einstimmig.

Grundlseer Dreigesang Gaibinger Adventsingen

Der Grundlseer Dreigesang

Nora Schönfellinger im Rückblick: „Der Ausseer Dreigesang war unsere Anregung. Vom Gesang am Veit-Stammtisch in Gößl hab ich mir als junger Mensch allerhand abgehört. Unvergessliche Eindrücke habe ich vom Rotbart Adalbert und Syen Hugo behalten. Eine gute Partie waren auch die „Rastln vom Wienern“, Sepp und Herbert mit ihrer Schwester Gretl.“ 1979 war es dann so weit: Nora gründete gemeinsam mit Hias Marl und Gerti Hillbrand den Grundlseer Dreigesang. Gerti wurde bald von Heidi Simentschitsch abgelöst und in dieser Zusammensetzung sangen sie über 15 Jahre hindurch. Wertvolle Begleiter und Berater war die Familie Gaibinger, ebenfalls begeisterte und begeisternde Sänger und Musikanten. Durch viele Musikantenfreundschaften, nicht zuletzt durch das Grundlseer Musikantentreffen, erlangten sie eine weitreichende Bekanntheit. Besonders in Erinnerung sind die Hauser Sängertreffen und der berühmte Stanglwirt, dessen Wirt Balthasar Hauser den Grundlseer Dreigesang wegen deren besonderen Singweise und dem Repertoire aus dem Mautnerbuch gerne einlud.

Ihre weiteren Stücke bezogen sie von ihren Sangesfreunden, wie dem Pruggerer Dreigesang oder den Röpfl-Geschwistern mit ihrem Bayerischen Einschlag, die Jodler bevorzugt von der Hauser Sefa. Sie haben gesungen was gefällt, Tonträger und Radio waren wertvolle Hilfen. 1990 übernahmen Heidi und Nora die Leitung des Grundlseer Musikantentreffens, heuer war es das 43. in ununterbrochener Folge! Sie bemühen sich auch weiterhin im Rahmen der Grundlseer Volksmusikseminare für Kinder und Jugendliche um die Weitergabe des heimischen Liedgutes.

Leonharder Dreigesang mit Gaibinger Hans

Der Leonharder Dreigesang

Die ersten Auftritte in der Öffentlichkeit von Max und Eleonore Schanzl erfolgten mit der Gielge-Gruppe Anfang der 1960ger Jahre. Sie waren damals die jüngsten Mitglieder. Gielge hat immer den 4-Gesang gefördert. Max hat mit ihm, dem Fuchs Hanni, und Lois Hiegelsberger gesungen. Nach dem Tod von Hans Gielge 1969 haben Max und Eleonore jeweils mit einer  dritten Person als Dreigesang gesungen – immer nach dem Gehör, Noten kennen sie keine. Schließlich kam Anni Huber dazu, womit über Jahre der Leonharder Dreigesang eine fixe Besetzung hatte.

„Wenn die Schanzln singen, wird Ruhe im Saal“ hat es geheißen. Das lag nicht nur an ihren hervorragenden Stimmen, sondern auch an der Originalität ihrer Lieder. Ein Teil ihres Liederschatzes stammt aus den Liederbücheln vom Bachwirt. Viel haben sie auch von Hans Gielge übernommen. Ein großes Anliegen vom Max ist es, das Liedgut weiterzugeben damit nichts verloren geht. Dazu ein Hinweis auf ein „besonders Kind“ des Leonharder Dreigesanges: die monatliche Singstunde im Gasthaus Stöckl in Grundlsee mit durchschnittlich 30 sangesfreudigen Teilnehmern.

Die gegenwärtige Besetzung heißt: Max Schanzl, Heidi Simentschitsch, Burgi Ewis – Eleonore musste der Gesundheit wegen aufgeben; zum Singen braucht man auch eine Stimme…

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