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Von Heuschobern und Schwedenreitern der Klein-Keuschler

Die gepflegte Kulturlandschaft, welche (noch) als Aushängeschild unserer Region gilt, verdanken wir in nicht geringem Maße dem Fleiß und der Unbeugsamkeit so manchem, unverzagten Kleinkeuschlers.Die gepflegte Kulturlandschaft, welche (noch) als Aushängeschild unserer Region gilt, verdanken wir in nicht geringem Maße dem Fleiß und der Unbeugsamkeit so manchem, unverzagten Kleinkeuschlers.

Es werden immer mehr, die das Handtuch werfen weil es sich nicht rentiert. Aber es gibt noch etliche Unverzagte, die das Erbe der Ahnen ehren und in einer Zeit der Hektik und der Profitgier die ungedankte Arbeit auf sich nehmen ihre „Sachln“ bestens in Schuss zu halten: Die Klein-Keuschler. 

Eine Betrachtung von Dipl. Ing. Franz Bergler.

A Fleckerl Grund und dazu a paar „Eisenbahner-Kühe“ - diese Personen werden bei uns gerne als Klein-Keuschler bezeichnet. Manche Leute können sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, wenn sie über jene Personen reden, die für ihre paar Tiere, meistens einige Schafe oder Ziegen oder vielleicht sogar zwei bis drei Stück Rindern die paar Felder, die ihr Eigen sind, bewirtschaften. Oft haben diese Klein-Keuschler ihre Wirtschaft viel sauberer beieinander als so mancher Großbauer. Auf alle Fälle kann man diesen Kleinstbauern eines bestätigen: sie sind die größten Idealisten der Gegenwart, in einer Zeit des Wachstums wo das Motto lautet: „Immer größer, immer höher und immer weiter!“. 

Die Kleinkeuschler halten wenig von diesem Trend und bewirtschaften mit Freude und Wertschätzung ihr kleines Hab und Gut.  Vor allem mähen sie noch mit ihren Motormähern und Heuraupen jene Flächen, die der Vollerwerbsbauer mit seinen Geräten gar nicht mehr mähen kann, wie Hänge, schmale Streifen zwischen Obstgärten und Straßen. Diese Landschaftspfleger sorgen also für ein schönes Landschaftsbild. Trotz des geringen Viehstandes müssen sie auch täglich für ihr Vieh da sein.  Den Sozialkontakt zu seinen Tieren hat der Klein-Keuschler auf alle Fälle, die Tiere bekommen auch noch einen Namen. Egal ob Braunl, Veigerl oder Scheckerl, die Tiere wissen um wen es geht, wenn ihr Name gerufen wird. 

Die Klein-Keuschler erhalten auch noch alte, traditionelle Heuwerbungsarten wie Schwedenreiter, Heuschober und Bingltragen. Der Schwedenreiter, früher ein markantes Landschaftselement ist genau so selten geworden wie der Heu-Schober. Diese Form der Futterkonservierung ist winterungsunabhängig und die Tiere schätzen das Heu vom Schwedenreiter. Also ist die Qualität des Heus von diesen beiden Trocknungsarten gut, auch wenn es mehr Arbeit als die Bodentrocknung ist.

Von einer EU-Förderung können diese Idealisten auch nur träumen, da die EU eine Untergrenze von drei Hektar bewirtschaftete Grünland-Fläche eingezogen hat, um überhaupt einen Förderantrag stellen zu können. Da wiehert doch der Amtsschimmel oder sagen wir es anders: Mit so einem Klein-Kram will sich die EU-Bürokratie nicht befassen! Schade, geht es doch nicht um die paar Euros, die im großen Konzert des Förder-Dschungels überhaupt keine Rolle spielen. Es geht um die fehlende Wertschätzung des kleinen Landschaftspflegers.  Und wieder sind es dieselben „Meckerer“ aus unserer Nachbarschaft, die uns  zwar belächeln, aber sich sofort aufregen, wenn die verbleibenden nicht gemähten Wiesenstreifen ihre braune Farbe bekommen. Der Volksmund nennt diese überständigen Wiesen „Fuchs“. 

Dem Kleinkeuschler sind die obigen Gedanken vollkommen egal, er freut sich mit seinen Tieren, dass es allen gut geht. In diesem Sinn: „Es lebe die, nicht gerade kleine, Idealisten-Schar der Klein-Keuschler!“.  F.B.

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