Menu

Spielleut´- gestern und heut´: Altausseer Bauernmusi Empfehlung

Erstbesetzung und Gründer der Altausseer Bauernmusi v.l. Josef Hillbrand-„Schiastl Sepp“ (Geige & Klarinette), Franz Wimmer „Goschperer“ (Bassgeige & Posaune), Franz Temel „Hiasler“ (Steirische Rumpl), Engelbert Köberl „Kårla Bert“ (Posaune) und Karl Wimmer „Stoanegger“, (Geige & Klarinette).Erstbesetzung und Gründer der Altausseer Bauernmusi v.l. Josef Hillbrand-„Schiastl Sepp“ (Geige & Klarinette), Franz Wimmer „Goschperer“ (Bassgeige & Posaune), Franz Temel „Hiasler“ (Steirische Rumpl), Engelbert Köberl „Kårla Bert“ (Posaune) und Karl Wimmer „Stoanegger“, (Geige & Klarinette).

Die Altausseer Bauernmusi war bis Mitte der Siebzigerjahre, also rund 35 Jahre lang, im Einsatz dann löste sie sich altersbedingt auf.

Die Altausseer Bauernmusi, in Geigenbesetzung mit Posaune, wurde in der Nachkriegszeit von den Heimkehrern gegründet. Diese Art von Tanzmusi war früher nur im Ausseerland, respektive im Inneren Salzkammergut gebräuchlich, überall sonst war Blasmusik üblich. 

Der Bayerische Volksmusikant und Filmemacher Sepp Eibl in seiner Ansage bei den Filmaufnahmen mit der Bauernmusi: „Zwei Geigen, a Rumpl und a Baßgeign. So ist die übliche Besetzung für eine Steirische Tanzmusi. Statt Zieharmonika sagt man in der Gegend „Rumpl“. Die Gegend ist das Ausseer Land im Steirischen Salzkammergut. Eine Landschaft, in der die ursprüngliche alpenländische Musizierart noch lebt. Die Geign ist in der Volksmusik rarer worden und nur da, wo die alten Spielleut no zum Tonzaufspieln b’stellt werdn, lebts weiter. Diese Musikanten spielen ihre Weisen ohne Noten, nach dem Gehör überliefert. Hunderte Melodien, vom Stoasteirer, Walzer, Steirische und Landler homs im Kopf.“ Das triffts für die Bauernmusi genau. 

Natürlich haben die Musikanten ihr Repertoire im Kopf gehabt und ihre Stückl auswendig gespielt. Eine übermäßige Probenarbeit war nicht erforderlich. Als aber Friedl Gaiswinkler dem Schiastl Sepp folgte, musste schon fleißiger geprobt werden; der junge Bursch konnte diese Routine natürlich nicht haben. Die strenge Schule des Bergmeisters und Geigenlehrers Anton Ringdorfer (vlg. Gallen Toni in der Straßen) war nicht umsonst und so ging unter Anleitung der „Alten“ alles ein bisschen leichter. – Übrigens ist der heutige Ausseer Musikschuldirektor Günter Ringdorfer ein Enkel von Anton.

Das Repertoire der Bauernmusi bestand also großteils aus überlieferten Stücken, dazu kamen aber auch Eigenkompositionen vom Stoanegger Karl und vom Hiasler (Temel), wie beispielsweise der Serafinenwalzer, den der Temel Franz geschrieben hat. Die umfassende Sammlung vom Karl befindet sich heute im Archiv der Salinenmusikkapelle.

Um das Ganze etwas abwechslungsreicher und „schmissiger“ zu gestalten, haben die Geiger hin und wieder die Instrumente gegen die Klarinette getauscht. Die Rumpel vom Hiasler war eine 3-Reihige in A – D – G Stimmung, umschaltbar auf B – Es – As, so dass sie der Klarinetten-besetzung angepasst werden konnte. 

Aufgespielt wurde hauptsächlich zum Tanz im Berndl-Saal beim Schützenball und bei den wöchentlichen Begrüßungsabenden. Dabei hat auch die Altausseer Tanzgruppe unter der Leitung von Hans Stöckl vlg. Hoamhauser mit den heimischen Tänzen und Unterhaltungsspielen mitgewirkt. Die Gäste wurden auch zu Tanz und Spiel aufgefordert. In Erinnerung sind noch die Tanz-abende am Ostermontag beim Fuchsbauer. Auch als gesellschaftliche Unterhaltungsmusik wurden sie eingeladen. 

Die Altausseer Bauernmusi ging auch mit der „Gielge-Gruppe“ auf Tournee, bei diesen Reisen kamen sie bis nach Holland. 

Die „Paganinis“ in Altaussee

Niccolò Paganini (1782 – 1840) ein italienischer Geiger, Gitarrist und Komponist war der berühmteste Geigenvirtuose seiner Zeit. Sein äußeres Erscheinungsbild und seine brillante Spieltechnik machten ihn bereits zu Lebzeiten zu einer Legende. 1828 kam der „Teufelsgeiger“ nach Wien. Kaiser Franz I. (der Bruder von Erzherzog Johann) verlieh ihm den Ehrentitel „Kaiserlicher Kammervirtuose“. 

In Altaussee wurde der Name „Paganini“ als Wertschätzung für die besondere Begabung als Geigenspieler als Spitzname vergeben. Zuerst an Sepp Wimmer vlg. Stoanegger – er war sozusagen der „Originalpaganini“. In den Fünfziger Jahren gab es bei der Salinenmusikapelle auch ein Streichorchester. Sepp war dort Erster Geiger. Bei der Hundert-Jahr-Feier 1953 gab es ein abendliches Streichkonzert als Festkonzert. Überhaupt war es üblich, wenn nicht sogar Bedingung, dass Mitglieder der Musikkapelle zuerst ein Streichinstrument zu lernen hatten, bevor sie als Bläser aufgenommen wurden.Der Wimmer Sepp war auch sonst als Geigenspieler recht umtriebig – er spielte überall, wo er gebraucht wurde. Der Spitzname wurde zum zweiten Hausnamen auf dem Küblergut, Puchen Nr. 6. Dass er auf Karl, seinen Neffen, angewendet wurde, ist allein seinem Geigenspiel zuzuschreiben. Heute führt Sepp Wimmer, Enkel des Ersteren, wegen seiner Herkunft vom Küblergut den zweiten Hausnamen „Paganini“ als seinen Vulgo-Namen. Er hat zwar mit der Geige nichts zu schaffen, ist aber gefragter Flügelhornist bei der Berig- und Bierzeltmusi und beim Altausseer Bläserquartett.

Danke an: 

Friedl Gaiswinkler für seine Erinnerungen. Aufzeichnungen sind leider keine vorhanden, aber der Muß Albert und der Wimmer Sepp, sowie Elfi und Christian Fischer konnten mir einiges erzählen. Danke auch Heidi Siment-schitsch bzw. Eva Freller für die Über-lassung der Fotos.

Nach oben

Themen

Artikel nach Autoren

Da Woadsack

Netzwerk

Newsletter