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Von Wurzeln und Flügeln

Seine „Flügel“ verhalfen Maestro Karolos Trikolidis zu internationaler Bekanntheit als Dirigent - hier mit dem Radio-Symphonie-Orchester Griechenland im Herodes Atticus Theater am Fuße der Akropolis in Athen.Seine „Flügel“ verhalfen Maestro Karolos Trikolidis zu internationaler Bekanntheit als Dirigent - hier mit dem Radio-Symphonie-Orchester Griechenland im Herodes Atticus Theater am Fuße der Akropolis in Athen.Foto: ©Kuklturverein KiK

„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel“ (Zitat Goethe). Der griechische Dirigent Karolos Trikolidis hat seine Wurzeln in Bad Aussee und einen  Teil in einem kleinen Dorf am Fuße des Ararat. Sein musikalischen Flügel haben ihn um die Welt getragen.

Maestro Karolos Trikolidis bereitet sich in seinem Haus in Altaussee auf kommende Herausforderungen vor. Nach den  Erfolgen mit der „Alpen-sinfonie“ von Richard Strauss im Vorjahr, steht er nun unter dem Eindruck seines jüngsten großen Konzertes: Im Herodes Atticus Theater am Fuße der Akropolis hatte er im Frühsommer mit dem Nationalen Symphonieorchester des Griechischen Rundfunks die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven vor mehr als 7000 Zuhörern aufgeführt. Der frenetischen Applaus liegt ihm noch immer in den Ohren, während er sich auf die nächsten Musikereignisse, der Konzertreihe „Beethoven  in Altaussee“ mit internationalen Künstlern, vorbereitet. 

Seine Karriere als Dirigent begann für Karolos Trikolidis 1972 mit der Bestellung zum Chef-dirigenten des Griechischen Staatsorchester Saloniki, welches er 38 Jahre lang leitete. In den folgenden Jahren dirigierte er mehr als 140 Orchester in Europa, Australien, Russland und Japan. Es würde den Rahmen sprengen, hier all seine großen Tätigkeiten, zu würdigen. 

Als ständigen Gastdirigenten des Russischen National-orchesters hat ihn vor Jahren der griechische Botschafter in Moskau zu einem Empfang geladen. „Als ich dort erzählte, dass mein Vater vor 60 Jahren in dieser Botschaft gearbeitet hat, wollte man es vorerst gar nicht glauben!“ Ein Blick in die Personalakten der Botschaft bestätigte es schließlich.

Paul Trikolidis, der Vater von Karolos, war als jüngstes von elf Geschwistern in einem kleinen Bergdorf am Fuße vom Berg Ararat aufgewachsen, als Nachfahre der dort vor 2300 Jahren angesiedelten Krieger Alexanders dem Großen. Seine Eltern, die als Bergbauern in bescheidenem Wohlstand  lebten, ermöglichten ihrem Jüngsten, als einzigem ihrer Kinder, eine  gediegene Schulbildung. Auf Grund seines Sprachtalentes und der guten Schulbildung bekam er mit 16 Jahren eine Anstellung in der griechischen Botschaft in Moskau, wo er acht Jahre lang das Auskommen hatte. 

In den Jahren 1914 bis 1923 kam es als Folge des Griechisch-Türkischen Krieges im Osmanischen Reich zur rigorosen Verfolgung der griechischstämmigen Bevölkerung. Deportation, Todesmärsche und schließlich die Vertreibung mündete in die „Klein-asiatischen Katastrophe“. Paul Trikolidis hatte, auf Grund seiner Position in der griechischen Botschaft in Moskau, die Möglichkeit für seine Familie die Flucht nach Griechenland zu organisieren. Drei Millionen Menschen wurden damals  in Griechenland freundlich aufgenommen – alle fanden dort ein neues Zuhause.

Als die NAZIS während des 2. Weltkrieges Griechenland besetzten,  kam Paul Trikolidis als Krigsgefangener ins Ausseer-land und lernte Maria Kasper (geborene Klackl) kennen. Sie verliebten sich, wurden ein Paar und am 24. Juli 1947 kam in Bad Aussee Karl Kaspar im „Hoferhaus“ zu Welt. 1972 nahm er den Namen und  die Staatsbürgerschafts seines Vaters an und wurde „Karolos Trikolids“. Trotz seiner weltweiten Karriere hat er das Ausseerland nie vergessen und seine Heimat regelmäßig besucht. Seine griechischen Wurzeln haben ihm daheim einen „Stempel“ als Fremden aufgedrückt und er leidet ein wenig unter der kleinkarrierten Inakzeptanz so mancher Einheimischer. „Beim Ausseer Rößlwirt hat mich vor Jahren einer vom Stammtisch verjagt!“. In Griechenland ein Star, in der Heimat teilweise nur geduldet - man kann halt nicht alles haben…

Bis vor kurzem leitete Karolos Trikolidis das Musikkonservatorium in Saloniki, welches er vor knapp vier Jahrzehnten gemeinsam mit seiner ersten Frau Barbara gegründet und aufgebaut hatte. Ungefähr 100 Musik-lehrer bilden dort jährlich um die 700 Musikschüler aus, ungefähr 30 Prozent aller Trikolidis-schüler landen als Profi-musiker in europäischen Spitzen-orchestern, nicht selten sogar als Dirigenten. Seine Schüler lassen ihrem Maestro eine beinahe gotthafte Verehrung zuteil werden. 

2015 bekam Karolos Trikolidis für sein reichhaltiges Lebenswerk als unermüdlicher Pädagoge, Mentor vieler junger Musiker, Dirigenten und Komponisten, sowie Initiator völkerverbindender Aktivitäten und seiner Beständigkeit in der weltweiten Verbreitung und Pflege des musikalischen Erbes Österreichs, das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich verliehen. Nächstes Jahr im Juli feiert er seinen 70er. Auf die Frage, wann er in den Ruhestand treten wolle,  antwortet er schmunzelnd: „Gerne würde ich vorher am Fuße des Fujiama die Alpen-sinfonie dirigieren - das wäre doch was, oder…?“    J.K.

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