Menu

„Spielleut“ gestern und heut´

  • geschrieben von  Hermann Rastl. Der Autor ist erreichbar unter Tel. 0664 / 3587076
Die „Schennermusi“ in der Original­besetzung (v.l.): Schenner Fritz, Gasperl Franz vlg. Brand, Rastl Hans, Randacher Franz und Schönauer Walter vlg. Teichter.Die „Schennermusi“ in der Original­besetzung (v.l.): Schenner Fritz, Gasperl Franz vlg. Brand, Rastl Hans, Randacher Franz und Schönauer Walter vlg. Teichter.Foto: privat

Hermann Rastl hat in den vergangenen Woadsack-Ausgaben die Baukultur im Ausseer­land eingehend „beleuchtet". Nun wird er sich den Volksmusikanten in Gegenwart und Vergangenheit widmen. Er beginnt mit einer legendären Geigenmusi aus Bad Aussee. „Spü'leit spülts auf, låsst's die Geigna singa, wonn ma heit koa Göld hom, werd´n mas moring bringa...!"

Die „Altsteirermusik Schenner" war in den Sechzigerjahren die bekannteste Geigenmusi aus Bad Aussee. Sie verstanden es, durch ihre Persönlichkeit eine besondere Stimmung zu erzeugen.
Das renovierte, alte Kurmittelhaus war 2005 Ausstellungsraum für die Steir­ische Landesausstellung, heute ist die Apotheke und das Spielwarengeschäft „Manuelas Happy Play" drinnen. Als es noch der ursprünglichen Bestimmung diente, war der Schenner Fritz (*1906 – †1978) dort als Bademeister und Heil­masseur tätig. Fritz, ursprünglich gelernter Tischler, war immer schon musikalisch äußerst begabt und daher erster Geiger im „Großen Streichorchester der Bürgermusikkapelle Bad Aussee".

Schon in der Zwischenkriegszeit musizierte er mit seinem Nachbarn und Freund Franz Randacher in der Weinstube in Aussee. Die Mutter gab ihnen 50 Groschen für das erste Getränk mit auf den Weg, den Rest der abendlichen Zeche haben sie sich dann erspielt. Die besagte Weinstube war im heutigen Trachtengeschäft Veigl, in dem Trakt hinter den Säulen, beheimatet.

Alles begann mit der Bürgermusi

Die Musikantenfreunde in der Bürgermusikkapelle rund um den Schenner Fritz formierten sich schließlich zu einer „Kleingruppe" und es entstand die „Altsteiermusik Schenner". Die erste Besetzung bestand aus Fritz Schenner und Max Vesko, später kamen Franz Randacher und der Steger Heinerl dazu, wobei sie die Instrumente untereinander öfters wechselten. Randacher spielte einmal mit der Harmonika, dann wieder mit der Bassgeige, Fritz spielte aber immer die erste Geige – nicht nur instrumental.

Später bestand die Stamm­besetzung aus Fritz Schenner, Gasperl Franz vlg. Brand - beide Geige, Schönauer Walter vlg. Teichter - Harmonika oder Bass, ebenso Franz Randacher, der auch manchmal die Kontragitarre zur Hand nahm. Die Gitarre spielte Oberförster Hans Rastl, in den letzten Jahren spielte Karl Gassner die Steirische Harmonika. Keiner war ausgebildeter Musiker, jeder hatte sich das Musizieren selbst beigebracht.
Diese Besetzung galt als die beste der „Schennermusi". Der damalige Leiter des Österreichischen Tonarchives Dr. Dietrich Schüller hat im Ausseerland viele Aufnahmen gemacht, darunter natürlich auch von der „Schennermusi". Er ist der Meinung, dass in dieser Zeit speziell im Ausseerland eine „Wiederauferstehung" der Volksmusik gefeiert wurde, woran die „Schennermusi" wesentlichen Anteil hatte. Gespielt wurden hauptsächlich überlieferte Stücke z.B. von German Roithner und Michael Fischer „Bräumichl" genannt oder vom legendären Bachwirt Johann Kain. Franz Gasperl und Fritz Schenner haben auch selbst zahlreiche Stücke komponiert. Bitte blättern Sie um

Die Auftritte

Hauptfunktion der „Altsteier­musik Schenner" war die „Gesellschafts­musik" – heute würde man sie spöttisch als „Kaffeehaus­musikanten" bezeichnen. Interessanter Weise haben sie nie zum Tanz aufgespielt. Die „Altsteirer­musi Schenner" erreichte eine große Bekanntheit und wurde weit über das Ausseer­land hinaus engagiert. Als gefragte Unterhalter für die „bessere Gesellschaft" traten sie auch bei Heinz Conrads im Fernsehen auf und spielten für die Prominenz von Politik und Wirtschaft. Über diese vermeintliche „Anbiederung" rümpfte so mancher die Nase - das ist übrigens bis heute so geblieben...
Eine ganz wesentliche Aufgabe war die Begleitung der Flinserl als „Flinserlmusi" am Faschingdienstag. Auftritte der Flinserl andernorts und außerhalb der Faschingzeit gab es damals noch nicht. Auch beim Narzissenfest durften sie natürlich nicht fehlen.

Eine Flinserl-Episode darf erzählt werden: Der Schenner Fritz wirkte auch beim Faschingbrief der Liedertafel mit. Als eines Jahres für diesen nur der Faschingdienstag als Termin zur Verfügung stand, war das für ihn kein Problem. Er meinte kurzer Hand „Na, dann gehen die Flinserl halt ohne Musi". Für den Winkler Wiggerl war das unerträglich, er fand aber eine Lösung und trug einen Kassettenrekorder auf der Schulter und spielte während des Umzuges den Faschingmarsch „aus der Konserve". Das war dann Anlass für jüngere, teilweise vom Fritz ausgebildete Musikanten die schon des Öfteren bei der Schennermusik ausgeholfen hatten, eine eigene Flinserlmusi zu gründen. Mit dem plötzlichen Tod des 72-jährigen Schenner Fritz im Jahre 1978 fand die „Altsteirer­musi Schenner" ein jähes Ende.

Die Lungauer Aufgeiger

Der Sohn von Fritz Schenner, Fritz der jüngere (geb. 1949), rückte mit seinem Vater des Öfteren musikalisch aus und wirkte auch einige Jahre in einem Ausseer Viergesang mit. Er erlernte den Beruf des Försters und musste berufsbedingt in jungen Jahren seine Heimat verlassen. Nach etlichen Wanderjahren wurde er Revierförster in Mauterndorf im Lungau, wo er schließlich sesshaft wurde. Er hat seine Heimat, das Ausseerland nie vergessen und seine Leidenschaft, die Musik, ständig mit sich getragen.

Im Jahre 2000 gründete er mit Musikantenfreunden die „Lungauer Aufgeiger". Der Anfang war nicht ganz leicht, weil im Lungau die Geigenmusik ungebräuchlich ist und sich die Zuhörer erst daran gewöhnen mussten. So sind die Aufgeiger bemüht, die Geigenmusi bekannt zu machen bzw. zu fördern. Gespielt werden nicht nur Stücke aus dem Repertoire seines Vaters, Fritz komponiert auch selber, mitunter nach modernen Rhythmen, Wiener Schrammelmusik kommt ebenfalls zum Einsatz.

Aufmusiziert wird im ganzen Salzburger Land, oft aber darüber hinaus. Heuer waren die „Lungauer Aufgeiger" zum Narzissenfest im Ausseer „Museumsbeisl" vor dem Kammerhof zu hören und erhielten vom zahlreichen Publikum großen Applaus – eine Heimkehr gewissermaßen.

Herzlichen Dank meinen Auskunftspersonen: Frau Margit Schweiger geb. Schenner (ihr danke ich auch für die Fotos), ihrem Bruder Fritz und Herbert Randacher. H.R.

Nach oben

Themen

Artikel nach Autoren

Da Woadsack

Netzwerk

Newsletter